Poesie und Texte
Poesie und Texte

Ich arbeite gerade an einem Theaterstück mit dem Arbeitstitel "Warum - Kriege?" 

Es steht bereits im Entwurf. Jetzt muss ich es noch richtig durcharbeiten, das ist bekanntlich das Schwerste und Wichtigste. 

 

Das Stück handelt von einer Hausgemeinschaft in einer deutschen Stadt der Gegenwart, die unmittelbar vor dem großen Gau von Außerirdischen in eine andere Galaxie gerettet wird. Dort sind sie fast zwei Wochen in ihrem Haus eingeschlossen und können nur ahnen, was mit ihnen passiert ist. 

Die Außerirdischen sind Forscher eines größeren Forschungsprojektes mit dem Namen: "Leben in anderen Galaxien" und gehören sie zum Projektabschnitt "Erde". Sie haben die Menschengruppe zu sich gebeamt, um ihnen zwei Fragen zu stellen: 1. wieso sich die intelligente Menschheit selbst vernichtet und 2. wieso das keiner auf der Erde verhindert hat. 

Die Antworten der Menschen sind für die Außerirdischen wenig befriedigend. Aber immerhin fangen einige der Hausbewohner an, sich diese Fragen selbst zu stellen.

 

Die Menschen finden sich mit einem Mal wieder in ihrer alten Welt und zwar unmittelbar vor dem Gau. Der aber bleibt jetzt aus, wenn auch die Lage so brenzelig bleibt wie sie war. 

 

 

Ich stelle mir vor, dass ich durch dieses Stück dem Publikum in Erinnerung bringen kann, was Krieg bedeutet und was er heutzutage bedeuten kann. Die Augen davor zu verschließen scheint keine Lösung.

Meine Absicht ist es, zu zeigen, dass  Politik, auch wenn sie hoch bedrohlich ist, für die meisten Menschen weniger wichtig ist als ihre eigenen, privaten Angelegenheiten. Sie fühlen keine gesellschaftliche Verpflichtung und auch keine Solidarität mehr. Kriege halten sie für unvermeidbare Übel und sie sehen keinerlei Möglichkeiten, auf die Einfluss zu nehmen, die das Sagen haben. Durch die beharrlichen Fragen der Außerirdischen begreifen einige von ihnen allmählich, dass sie sich hätten einmischen müssen. 

Einige Leute haben sich enttäuscht gezeigt, dass ich kein Agitprop Stück schreibe, dass die Menschen zum Widerstand und zum politischen Kampf aufruft. Ich bin aber der Meinung, dass ein solcher Versuch nur bei denen Interesse und Zustimmung erhalten würde, die ohnehin  so denken. Mir geht es darum, die normalen Leute auf der Straße und vor ihren Fernsehbildschirmen darauf zu stoßen, dass wir heute hoch gefährlich leben und dass sie selbst mit ihrer Gleichgültigkeit und ihrer fatalistischen Ergebenheit in offenbar nicht Vermeidbares selbst mit verantwortlich sind für eine solche Entwicklung. 

Ich wünsche mir, dass die Leute aus dem Theater kommen und anfangen, die Geschichte weiterzuspinnen: Werden sie es schaffen, werden sie am Ball bleiben? Was werden sie versuchen und wird ihr Versuch erfolgreich sein. Was überhaupt könnten sie tun? Was würde ich tun an ihrer Stelle......

 

Mir ist beim Schreiben selbst erst richtig klar geworden, wie weit die Perspektive eines Atomkrieges heute kollektiv verdrängt und verharmlost wird. Und wie schwer es sein wird, die Menschen dazu zu bringen, sich für den Frieden in der Weise aktiv einzusetzen, dass sie die Finger konkret und furchtlos in die richtigen Wunden legen. 

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© Mechthild Seithe