Poesie und Texte
Poesie und Texte

Land und Meer

l’apresmidi d’un faun

 

In der Sonntagsmittagshitze

vor meinem Hügel sitze ich

und nichts bewegt sich.

Vor meinen Augen

entrollen sich die abgemähten

Weizenfelder bis zum Horizont.

 

Ich zähle eine Hand voll Dörfer

in meinem Sommerbild:

gotische Kirchturmspitzen

wachsen aus grauen Steinhaufen.

Ein Spinnennetz

von Eichen-Hecken,

laubgrünen Senken

und grün gerandeten Straßenbändern

durchzieht das Sommerland.

 

Nur über die Maisfelder geht von Zeit zu Zeit

der sanfte Sonnenwind hinweg.

Die Zeit steht.

 

Still sitze ich am Wiesenrand,

starre in die helle, heiße Welt,

die dort den Tag erträumt

unter der weißen Bläue.

 

Und lausche:

Im Farn ein Rascheln,

die Ginsterschoten knacken

platzend in der Hitze.

Ich schaue eilig hin:

Da sitzt er,

halb verdeckt von Gräserrispen.

Er schaut zu mir herüber

und setzt die Flöte an.

 

1998

2018 überarbeitet

 

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Mechthild Seithe