Poesie und Texte
Poesie und Texte

Lebensfreude

 

Mein Auto

Gewidmet meinem alten Clio

 

 

Du bist mein achtes Auto. Immerhin du fährt.

Ich hatte größere mit viel mehr Pferdestärken.

Du hast mir manchen Ärger schon beschert,

doch insgesamt gibt es nichts Schlimmes zu bemerken.

 

An deinem linken Flügel grüßt die alte Schramme.

Mein Auto ist kein Traum aus Chrom und Lack.

Ich putz dich niemals mit dem Shampooschwamme.

Und dein verwasch’nes Blau war niemals mein Geschmack.

 

Doch schließlich soll ein Auto nichts, als funktionieren,

soll starten, wenn ich es am Zündschloss dreh.

Soll stets mich sicher hin zum Ziele führen

sowohl bei Sonnenschein als auch bei Eis und Schnee.

 

Du protestierst? Du hast ja Recht. Ich weiß es ja,

es stimmt: Wenn ich es einmal recht betrachte,

bist du für mich viel mehr als nur ein Haufen Blech,

der mich schon oft bequem zum Ziele brachte.

 

Ich weiß, du stehst da unten auf der Straße

und bist bereit für mich, wenn ich nur will.

Bist wirklich nützlich mir in hohem Maße.

Und wenn ich dich nicht brauche, bist du einfach still.

 

Du kannst auch schnell sein auf der Autobahn,

wenn ich dir ordentlich zu schlucken gebe.

Zwar brummst du wie ein alter Moselkahn,

doch so ab hundertzwanzig spür ich, dass ich schwebe.

 

Wir sind ein Team, wenn ich an deinem Steuer klebe.

Ich weiß doch Kumpel, was ich dir verdanke.

Es hängt an dir, dass ich noch sagen kann: ich lebe.

Und ich verspreche dir, dass ich auch immer bleifrei tanke.

 

 

April 2003

 

verändert 18.3.05

 

 

 

 

 

 

Urlaubsroutine

Letzter Urlaubstag

 

 

Nun ist der Blick aus meinem Fenster

ganz vertraut

die Mauer und die alten Bäume,

der Hof am Haus.

Nun weiß ich,

wo am Mittag

die Sonne steht

und kenne alle Schmetterlinge

dort am Blütenbusch.

 

Ich weiß, wie tief der Schlüssel

stecken muss, um sich im Schloss zu drehen.

Ich kenne auch den Trick am Küchenherd,

weiß welche Messer stumpf sind,

welche scharf und

kann im Dunklen auch die steile Treppe gehen.

 

Dass diese Straße dorthin führt,

wo es die Brötchen gibt,

steht nicht mehr außer frage.

Und dort entlang

sitzt meist der kleine Hund

am Haus und bellt.

A droite, a gauche,

ca vas maintenant.

 

Man weiß Bescheid

und kennt sich aus

und alles wird Gewohnheit:

das Neue, Fremde, Schwierige-

und leider auch das Schöne.

 

Bretagne

 

1998

2018 überarbeitet

 

 

 

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© Mechthild Seithe