Das Ende auf Augenhöhe

 

Bäume stehen an meiner Straße

Die mich lange

überleben werden.

Lohnt es, dass ich esse,

lohnt es noch, am Morgen

aufzustehen? Es ist doch

sowieso schon bald vorbei.

 

Jahre noch, aber sicher

noch viele Tage werde ich leben.

Der Mond wird vergehen

und wieder zunehmen.

Wetter werden über

den Tag hinwegfegen,

Winde und Regen.

Seltener Sonne.

 

Deine Liebe rührt mich.

Aber mit Verlaub, vielleicht

bist du für mich morgen

schon verloren.

Warum sollte ich wehklagen?

Das Schicksal von Milliarden.

Was zählen da meine Tränen?

 

Die Welt schmeckt mir nicht

mehr. Sie war nie gut. Jetzt aber

ist sie steril und fremd

in ihrer globalen Schrecklichkeit.

Soll ich mich aufregen

wegen der Macht der einen

über die anderen. Das alte Spiel?

 

 

Und ich, was ist mit mir?

So spurlos soll also verschwinden,

was mit so viel Hoffnung

und dem Glauben an eine Welt begann,

die für mich Heimat sein sollte.

Sie hatte nicht gewartet

auf eine wie mich.

 

Gut zu wissen,

dass die Welt nicht zerfallen wird,

wenn Atlas sie erschöpft

von den Schultern fallen lässt.

Sie hat ihn nie gebraucht.

Immer war er es, der sie brauchte.

Mehr war es nicht.

 

 

2006

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