Frühling im Moor

 

Ich liebe diese weiten, kargen Horizonte,

das helle Licht, das diese stille Welt bescheint,

die sanften Linien der Bodenwellen,

die meinen Augen schmeicheln, ein wenig nur

geschwungen, wie lange Wellenhügel auf

einem spröden Binsenmeer.

Ein herber Landstrich, der sich freundlich zeigt

und nichts verlangt

als Schauen, Schauen, Schauen.

 

Dort hinten vor dem weiten Wiesenland

seh ich drei Erlen plaudernd beieinander stehen.

Dies Land liegt offen wie die Fläche

einer breiten, ruhigen Hand.

So wie die Linien,

die das Geheimnis eines Lebens hüten,

ziehn schwarze Gräben durch das

sanfte Grün der Felder hin. Sie enden

irgendwo, weit weg, wo wir sie nicht mehr sehen.

 

Und hier und da entzündet sich das Rostig-Rot

der Grabenränder im Sonnenlicht.

Als hätte jemand diese ockergrüne weite Welt

mit dicken Stiften schwarz und rot markiert.

Die Felder schimmern feucht.

Und große Vögel steigen spritzend

aus den wasserprallen Wiesen.

Im Moos, verborgen zwischen grünen Polsterkissen,

steh‘n stille, kalte Wasserlöcher.

 

Das Land ist vollgesogen wie ein Schwamm.

Im nahen Moorwald glänzen schwarze Tümpel.

Dort liegen Baumgerippe, halb versunken.

Zwei Birken halten tapfer ihre Kronen, hoch

in die laue Luft. Doch ihre Stämme

sind dem kalten, nassen Element schon preisgegeben.

Doch auf der Oberfläche quakt und sirrt das Leben.

Am Ufer werfen Krüppelkiefern

kleine Sonnenkringel auf das schwarze Nass.

 

Dahinter dehnt sich immer weiter noch

ein blasses Grün und Ackerbraun,

ein großes Feld, und Wiesen bis ans Ende,

dort wo ein dunkler Streifen Wald

das Himmelsblau  vom Frühlingsgrün der Erde trennt.

Ein herber Landstrich, still, doch  voller Leben,

der nichts verlangt

als Schauen, Schauen, Schauen.

 

2003

 

 

 

 

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