Poesie und Texte
Poesie und Texte

Zum Wohle

Roman

 

 

Die Story:

Hannes Thaler sitzt zwischen allen Stühlen:

Als überzeugter und engagierter Sozialarbeiter will er vor allem eines: Gute Arbeit machen für Kinder, Jugendliche und ihre Familien. 
Das wird jeden Tag schwieriger, weil ständig die Mittel gekürzt und die Arbeitsbedingungen für ihn und seine Kollegen weiter erschwert werden.

Hannes Thaler beschließt, sich als Teamleiter zu bewerben. Von diesem Schritt erhofft er sich mehr Einfluss- und Handlungsmöglichkeiten. Er glaubt, so für seine Kolleginnen bessere Arbeitsbedingungen erreichen und eine fachlich verantwortliche Arbeit in seiner Einrichtung durchsetzen zu können.
Für sich selbst erhofft er vor allem mehr Anerkennung. Außerdem möchte Hannes Thaler seiner Familie endlich einmal etwas bieten können. Ein bisschen mehr Geld würde also nicht schaden. Auch er ist seine alte Klapperkiste schon lange leid.

Doch bald muss er erkennen, dass man von ihm als Leiter vor allem erwartet, die Anweisungen und Interessen seiner Arbeitgeber nach unten durchzusetzen. Seine Hoffnung auf mehr Macht und Einfluss erweis sich als Fehleinschätzung.

 Er muss ohnmächtig zusehen, wie Kinder und Jugendliche im Stich gelassen werden und Hilfen zu spät oder halbherzig kommen. Auch das Schicksal der kleinen Anna und ihrer Mutter Christine kann er nicht abwenden.

Hannes Thaler versucht verzweifelt und verbissen, seinen fachlichen und politischen Zielen treu zu bleiben. Aber auch die Träume von einer Karriere aber kann er nicht mehr aufgeben.

 Manche schätzen und lieben ihn. Andere sind enttäuscht. Seine Familie, seine Freunde und die Kolleginnen Miriam, Heike und Irene vom „Kritischen Kreis Soziale Arbeit“ begleiten ihn durch die Höhen und Tiefen seines Dilemmas.

Hannes Thaler steht nach drei Jahren Leitungstätigkeit wieder zwischen allen Stühlen und vor der Entscheidung seines Lebens.

Irene hat sich entschieden.

 

Textbeispiel:

 

Textausschnitt: Hannes Thaler und seine Arbeitsstellen

Hannes Thaler ist ein engagierter und kritischer Sozialarbeiter, der die aktuellen Entwicklungen in der Jugendhilfe sehr skeptisch sieht. Er möchte trotz der unzureichenden und prekären Arbeitsbedingungen für die Kinder, Jugendlichen und Familien gute Arbeit leisten. Das Buch erzählt über einen Zeitausschnitt von drei Jahren von seinen Bemühungen, mehr Einfluss und Macht im Rahmen seiner Arbeit in der Jugendhilfe zu erreichen, um für sich und seine KollegInnen bessere Rahmenbedingungen herstellen zu können. Zunächst ist er Teamleiter, später arbeitet er als Abteilungsleiter. Aber seine Ohnmacht gegenüber Vorgesetzten und fachlich fragwürdigen Anweisungen von oben bleibt die Gleiche, während sich die Verhältnisse in seinem Arbeitsfeld ständig verschlechtern.

Hier ein Textauszug:

Der Schock   Sommer 2012 (Kapitelauszug)

Die Besprechung fand im Verwaltungsgebäude statt, in einem schmalen, kahlen Raum. In der Mitte stand ein langer Tisch und darum herum eine Vielzahl von einfachen, hölzernen Stühlen. Das Fenster ging auf den Hof hinaus. Man hörte, wie der Fahrer einer Getränkefirma Wasserkästen vom Wagen lud und ins Haus transportierte.

Als Hannes kam, saßen einige der anderen Teamleiter schon da. Es schlug ihm eine gespannte, unruhige Stimmung entgegen. Die Kollegen grüßten knapp, mit ernsten Gesichtern.
Hannes hatte kaum platzgenommen, als Muschel geschäftig hereinstürzte. Ihm folgte der Chef der Finanzabteilung. Muschel warf einige dicke Papierstöße auf den Tisch, grüßte flüchtig in die Runde und teilte ohne jede Vorwarnung und einleitende Worte den Teamleitern und -leiterinnen mit, dass das Gesamtbudget der Jugendhilfeabteilung für das nächste Jahr wiederum spürbar gekürzt werden müsse.
Einige der Kollegen schienen damit gerechnet zu haben. Sie sahen böse vor sich hin. Andere starrten Muschel fassungslos an. Eine Diskussion gab es nicht. Hannes fand keine Gelegenheit, sein Anliegen anzusprechen. Alles war offenbar längst weiter oben entschieden. Die laufenden Betriebskosten seien erdrückend, hieß es jetzt. Es gäbe nur die eine Möglichkeit, dass die Stundensätze der freien Mitarbeiter, aber ebenso die Gehälter der Angestellten um zehn Prozent gekürzt würden – andernfalls müsse man ca. fünf Mitarbeiter im Gesamtbetrieb betriebsbedingt kündigen, erklärte der Finanzchef. Hannes stellte entsetzt fest, dass die Herren von der Geschäftsleitung all das so dahinsagten, als sprächen sie über das Wetter. Es schien sie nichts weiter anzugehen. Hannes rechnete. Damit käme auf sein Team eine Stellenkürzung zu. Er erstarrte vor Schreck.

Am darauffolgenden Mittwoch, an dem er diese schlechte Nachricht seinen Kolleginnen überbringen musste, war es ihm morgens schon seit dem Aufstehen übel. Nichts hatte er erreicht! Ja, es war ihm nicht einmal gelungen, sein Anliegen vorzutragen. Was für eine beschissene Rolle hatte er da bloß erwischt! Nun stand er genauso da wie der alte Jansen, und es blieb ihm ebenfalls nichts übrig, als die Mitarbeiter über die Beschlüsse von oben zu informieren. Nein, wahrhaftig! So hatte er sich das nicht vorgestellt!

Hannes fürchtete sich vor der kommenden Teamsitzung. Aber zu seinem Erstaunen machten die Kolleginnen und Kollegen ihn gar nicht verantwortlich für das, was er ihnen zu sagen hatte. Sie nahmen die Neuigkeiten entgegen wie geprügelte Hunde, die Angst haben, noch mehr Schläge von ihrem Herrn einstecken zu müssen.
„Zehn Prozent weniger, das könnte ich nicht verkraften. Ihr wisst doch, ich musste im letzten Monat sogar mit Hartz IV aufstocken. Es ist eine Schweinerei. Sie zahlen uns einfach zu wenig“, sagte schließlich Anna, eine von den freien Mitarbeiterinnen, die keine Festanstellung hatte, nicht einmal eine auf Zeit.
„Was erzählst du“, meinte Chrissi müde, „ich habe eine feste 20-Stunden-Stelle und muss trotzdem jetzt noch aufstocken. Nein zehn Prozent Gehaltskürzung, Hannes, das ist einfach unmöglich.“
„Habt ihr die brandneue Glanzbroschüre vom Betrieb gesehen, die vorgestern rausgekommen ist? Ich möchte nicht wissen, was die gekostet hat!“, schaltete sich jetzt Miriam ein. Die Gruppe kam langsam in Fahrt.
„Für so was ist immer Geld da.“
„Das dürften wir uns nicht gefallen lassen. Was sollen wir tun, Hannes?“
Hannes sah die anderen an. Es rührte ihn, dass sie ihn fragten. Aber es ärgerte ihn, dass sie nicht begriffen, dass er jetzt woanders stand und stehen musste.
„Wir Teamleiter haben da null Einfluss. Das war doch alles schon beschlossene Sache. Ihr müsst jetzt selbst was auf die Beine stellen. Ich würde euch natürlich unterstützen. Aber machen müsstet ihr schon selbst was.“
Als er in die überraschten Gesichter seiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen blickte und hörte, wie Jens vor sich hin murmelte: „Was soll das, du bist doch der Leiter, oder?“, fügte er trotzig hinzu:
„Die Geschäftsführung lässt ausrichten: Die Teams sollen sich überlegen, was sie besser fänden, die zehn Prozent Kürzung oder die Stellenreduktion.“
„Besser finden?! Ich glaube, ich höre nicht richtig! Sie hätten besser fragen sollen, was wir davon beschissener finden“, schimpfte jetzt Miriam.
„Das ist nicht dein Ernst!“, riefen sie. „Hannes, das kannst du nicht von uns verlangen. Was für eine lächerliche Alternative! Beides geht nicht. Das weißt du genau!“, appellierte Manuela an Hannes. „Das muss denen doch klar sein!“
„Es ist ihnen klar, aber es ist ihnen egal“, erklärte Hannes nüchtern. Er schluckte selbst an der Bitterkeit seiner Worte.
Hannes wusste: Es würde schließlich auf Entlassung einer Mitarbeiterin hinauslaufen, das war für die Kollegen genauso offenkundig wie für ihn. Hannes konnte an ihren Gesichtern ablesen, dass jeder jetzt überlegte, wen es wohl erwischen würde.
„Und wer, bitte schön, soll denn gehen von uns?“, riefen Stephan und Miriam, wie aus einem Mund.
Hannes hoffte so sehr, dass es ihm erspart bliebe, diese Entscheidung zu treffen.
„Das müsst eben ihr euch überlegen“, versuchte er, sich zu retten.
„Nein Hannes, so nicht! Das musst dann schon du bestimmen“, kam prompt die Retourkutsche.
„Wir spielen da nicht mit bei diesem dreckigen Spiel! Wir schmeißen uns doch nicht selbst raus“, meinte Jens nachdrücklich.
„Also wirklich Hannes, das ist dann doch wohl dein Job, Chef!“, sagte Chrissi spitz. „Nun sag es schon: Wer soll gehen, deiner Meinung nach?“

Es wurde still. Alle sahen ihn an. Keiner sagt etwas. Auf dem Flur vor dem Besprechungszimmer, in dem sie tagten, entstand plötzlich Lärm. Jens ging hinaus, um zu sehen, was los war. Das Schweigen dauerte an bis er zurückkam.
Noch immer warteten alle auf Hannes‘ Antwort.
annes keuchte. Er schloss die Augen: „Das kann ich nicht. Das mache ich nicht“.
„Dann geh hin und versuche den Muschel umzustimmen!“, schlug Chrissi vor.
„Ach, wenn ihr wüsstet!“, ächzte Hannes. „Da gibt’s nichts zu verhandeln. Da haben wir null Einfluss. Wahrscheinlich kann auch Muschel nichts daran ändern. Das kommt von ganz oben. Wir kriegen gesagt, was wir an euch durchzustellen haben, und das war’s. Ihr solltet das wirklich mal selbst erleben, dann würdet ihr verstehen, wie es mir dabei geht“, klagte Hannes.
Sie gingen verstimmt auseinander.
Es wurde für Hannes immer deutlicher: Es ging ihm nicht gut, hier, zwischen allen Stühlen.

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Rezensionen: 

 

 

 

"Lehrroman der kritischen sozialen Arbeit"

07.04.2017

Der Roman „Zum Wohle“ von Mechthild Seithe, die selbst aus der Sozialen Arbeit kommt, erzählt aus dem Leben von Hannes Thaler, einem engagierten Sozialarbeiter, der sich inmitten der fortschreitenden Neoliberalisierung der Kinder- und Jugendhilfe, trotz bester Absichten in seinen Karriereschritten verstrickt.

Auch wird von Christine Hartwig und ihrer Tochter Anna erzählt, die aus Kostengründen nicht ausreichend Hilfe vom Staat bekommen und den Konsequenzen davon.

 Nach zahlreichen Berufsjahren in der Sozialpädagogischen Familienhilfe steigt Hannes Thaler mit der Zustimmung seines Teams zum Teamleiter auf. Er baut darauf, aus dieser Position bessere Arbeitsbedingungen für seine Kolleg*innen zu schaffen und sich besser gegen die problematischen Entwicklungen in der Kinder- und Jugendhilfe zur Wehr setzen zu können. Doch diese Rechnung wird nicht aufgehen. Hannes Thaler erlebt, wie wenig er bewegen kann, wie er mehr und mehr in eine Sandwich-Position und in Loyalitätskonflikte gerät, Kürzungen und Stellenreduktionen mit durchsetzen muss und sich trotz aller Gegenbemühungen immer weiter von der Basis entfernt. Und er leidet daran, tut sich aber auch schwer, den neu erlangten Status wieder aufzugeben. Thalers Situation spitzt sich zu und es kann kein Happy End geben.

 Einer der „Fälle“ die Hannes Thaler mit bewegt und trotz besseren Wissens doch nicht wenden kann, sind Christine Hartwig, eine alleinerziehende ALG-II-Empfängerin, und ihre 4jährige Tochter Anna. Nach dem erfolgversprechenden Beginn einer Sozialpädagogischen Familienhilfe für die Beiden, wird diese viel zu schnell wieder durchs Jugendamt eingestellt: Nachdem es die Mutter ein paar Mal geschafft hat, ihre Tochter wieder in die Kita zu bringen, geht man dort davon aus, dass das angestrebte Zeil der Hilfe erreicht worden sei. Aber das ist viel zu kurzgegriffen.  Obwohl die Mutter die Hilfe unbedingt fortsetzen möchte, wird die „Maßnahme“ beendet. Christine und ihre Tochter sind nun wieder alleine auf sich gestellt - und die Probleme nehmen ihren Lauf.

 Die Geschichte von Hannes Thaler, Christine Hartwig und den anderen Protagonisten aus „Zum Wohle“ spielt in einer Gegenwart, die von der gesamtgesellschaftlichen Umsteuerung im neoliberalen Sinne und damit von der Vermarktlichung auch des Sozialen geprägt ist. Dies bedeutet für die Soziale Arbeit und hier die Kinder- und Jugendhilfe unter anderem auch die Gleichstellung gewinnorientierter mit gemeinnützigen Trägern und eine Bewertung der Arbeit hauptsächlich nach ökonomischen Gesichtspunkten. Die notwendigen Voraussetzungen für eine „gute“ Soziale Arbeit werden von Verwaltung und Politik verweigert und die Arbeitsverhältnisse der Sozialarbeiter*innen prekarisiert. Aus Gründen der Effizienz wird oft keine oder eine nur unzureichende Hilfe gewährt. 
Wie sich Sozialarbeitende - in ständigem Kampf mit diesen Widersprüchen - in diesen Verhältnissen zu bewegen versuchen, ohne ihre fachlichen Ziele aufzugeben, davon handelt dieser Roman.

 

Angesichts des realpolitischen Hintergrundes ist „Zum Wohle“ kein leicht verdauliches, wie wohl ein differenziertes und doch kurzweiliges Buch ohne Längen. Die Autorin schafft es ihren Figuren angemessen zu begegnen und deren Handeln, Denken und Fühlen unter den jeweiligen Bedingungen zu beschreiben, ohne die Menschen vorzuführen. Auch die Nebenfiguren sind gut ausgearbeitet und tragen ihren Teil zur Geschichte bei, so Elke, Hannes pragmatische und durchaus aufstiegsorientierte Ehefrau, oder Alenka, Bekannte von Hannes, Kroatin, die als gelernte Ingenieurin bisher als Reinigungskraft arbeitet und nun die Chance bekommt, bei einem der neuen Sozialen Träger als Ungelernte Sozialarbeit zu machen.

Vor allem aber schafft es die Autorin, zum Nachdenken zu bewegen.

Mechthild Seithe hat nach zahlreichen Sachbüchern mit ihrer ersten Prosaveröffentlichung einen, man könnte sagen, Lehrroman der kritischen sozialen Arbeit geschrieben, den es zu lesen lohnt!

 Rezensentin: Corinna Wiesner-Rau,

Die Rezension wird veröffentlicht in sozial extra 3/17

 

"...einen Platz im Buchregal eines jeden Sozialarbeiters verdient "

 11.04.2017

In ihrem Roman „Zum Wohle!“ entwickelt die Autorin Mechthild Seithe anhand ihres Protagonisten Hannes Thaler ein brandaktuelles und profundes Bild der gegenwärtigen Jugendhilfe in Deutschland. Die Autorin zeichnet die individuelle Entwicklung des Hauptdarstellers nach und entwirft dabei eine eindrückliche Skizze seines Arbeitsfeldes, der sozialen Arbeit, die sie in die fachliche und politische Debatte über die heutigen Entwicklungen der Jugendhilfe einbettet.

Der Leser begleitet Hannes auf dem Weg vom fachlich fundierten und kritischen Familienhelfer über die Sprossen der Karriereleiter in die mittlere Leitungsebene. 
Gefeiert wird seine berufliche Entwicklung nicht nur von seiner Frau Elke, sondern auch von zwei befreundete Paaren, einem Sozialwissenschaftler ohne Stelle und seiner Frau, die putzen muss, weil ihr ausländisches Diplom nicht anerkannt wird, sowie der studierte Kneipenwirt Carlos und seine ihm ergebene Frau Melanie, Leiterin eines Reisebüros. Die drei Paare treffen sich in größeren Abständen, um nach dem traditionellen lukullischen Festmahl im gemütlichen Kreis über ihre aktuellen Erfahrungen, Sorgen und Pläne diskutieren.

Über den Zeitraum von drei Jahren hinweg, in dem der Roman Hannes Thaler auf seinen spannungsvollen und belastenden Wegen begleitet, erlebt der Leser außerdem die sich zunehmend prekär entwickelnde Lebenswirklichkeit einer alleinerziehenden Mutter und ihrer kleinen Tochter, die als Adressatinnen der Jugendhilfe die bedenklichen Verwerfungen in diesem Feld im wahrsten Sinne des Wortes am eigenen Leib erfahren. Dieser brisante und exemplarische „Fall“, der sich durch den gesamten Roman zieht, spielt für Hannes Thaler und seine Kolleginnen eine zentrale Rolle.

Ein weiterer Handlungsstrang des Romans dreht sich um die Aktivitäten und das berufliche und persönliche Leben von drei kritischen und politisch aktiven Sozialarbeiterinnen - wobei es auch hier immer Verbindungen zu den anderen Handlungsebenen gibt.

Der Verlauf der Handlung ist geprägt von Charakteren, die in ihrer literarischen Zeichnung für den Leser das Potential zur Identifikation bieten. Die Handlungen zeichnen sich durch Lebensnähe aus, jedoch ohne den Charme der Fiktion des Genres zu verspielen. Die Gestaltung der gesellschaftlichen und fachlichen Umgebung ist gut nachvollziehbar, ohne dass sie ins Faktuale gerät. Der Bogen wurde auf eine elegante und doch durchdringende Art gespannt, so dass der Leser im Verlaufe des Leseprozesses zunehmend auf die Katharsis und Auflösung hin fiebert.

Besonders hervorzuheben ist: Der Roman verzichtet auf einfache Antworten, auf plumpe Schwarz-Weiß-Zeichnung und auf holzschnittartige Darstellungen der Personen. So sind z.B. die Figuren differenziert und in all ihrer Ambivalenz gezeichnet. Und obwohl Mechthild Seithe auf Missstände pointiert und deutlich hinweist, übt sie sich nicht in reißerischen Formulierungen. Der Leser wird im besten Sinne dazu angeregt, sich in der Auseinandersetzung mit dem Stoff seine ganz eigene Haltung zu erlesen und zu finden.

Der Roman „Zum Wohle“ hebt sich mehr als wohltuend ab von den üblichen Schilderungen sozialer Arbeit und Jugendhilfe. Ist einer breiteren Öffentlichkeit die Situation von Sozialarbeitern und Klienten häufig nur in boulevardesker Form von Vorabendserien in „scripted reality“ und reißerischen Aufmachern auf den Titelblättern bekannt, so bietet sich hier eine einmalige Möglichkeit, eine andere, eine authentische Realität kennen zu lernen.

Mechthild Seithe gelingt es, die Gattung Roman auf verschiedensten Ebenen auf das Beste zu bedienen:
Als Leser fühlt man sich hervorragend unterhalten, da der Plot – auch völlig unabhängig vom Inhalt - spannend und fesselnd gestaltet ist. Die Figuren und hier vor allem der Protagonist sind in all ihrer Ambivalenz sind der Motor der die Geschichte nach vorne bringt. 
Auf diese Weise vermittelt sich nicht nur dem lesenden Sozialarbeiter, sondern auch dem Leser ohne „Stallgeruch“, eine nachvollziehbare, schonungslose und kritische Sicht auf den Zustand von Jugendhilfe und sozialer Arbeit in unserer Zeit.

Zusammenfassend lässt sich feststellen: Der Roman ist unterhaltsam, spannend, realitätsnah und in seiner Erzählweise gradlinig und schonungslos. Er zeichnet ein ehrliches, aber ebenso empathisches Bild von der Lage der Menschen am Rand unser Wohlstands- und Überflussgesellschaft und von den Menschen, die genau dort als professionelle Sozialarbeiter arbeiten. Bei allem macht der Text unmissverständlich klar, was ein „Weiter so“ für Helfer und Geholfene bedeutet.

Wofür das Buch aber auf jeden Fall einen Platz im Buchregal eines jeden Sozialarbeiters verdient hat, ist die klare Reflexionsfläche, der man sich stellen muss, wenn man diesen Roman liest und sich auf ihn einlässt. Möglicherweise kann dieses Buch, mehr noch als die Fachpublikationen der Autorin, dazu beitragen, dass es Menschen gelingt, eine neue, kritische Position für sich zu beziehen: zu ihrer Arbeit als Sozialarbeiter in einer höchst problematischen Zeit und zu den Betroffenen, die die Leidtragenden dieser Fehlentwicklung sind. Denn: „Nur ein bewusst gelebtes Leben ist ein gutes Leben“ – Sokrates.

Alle anderen werden aufs Beste unterhalten und erhalten einen realistischen und spannenden Einblick in eine Welt die genauso zu uns allen gehört.

Rezensent: Florian Bode

 

Die Rezension wird veröffentlicht in "Forum Sozial" 5/17

 

 

 

 "worum es in der Sozialen Arbeit geht, was an der Arbeit schön aber auch sehr belastend bis unerträglich sein kann"

 

28.4.2017

Mechthild Seithe, eine Doyenne der deutschen Sozialarbeit und unter anderem Autorin des „Schwarzbuch Soziale Arbeit“ sucht mit dem Roman "Zum Wohle" einen anderen Weg, sich mit derzeitigen Lage in der deutschen Kinder- und Jugendhilfe auseinanderzusetzen. Der Roman „Zum Wohle“ spielt in einer Gegenwart, die von der gesamtgesellschaftlichen Umsteuerung im neoliberalen Sinne und damit von der Vermarktlichung auch des Sozialen geprägt ist, Entwicklungen gegen die sie in ihren anderen Büchern angeschrieben hat. „Aber ich kenne und liebe dieses Arbeitsfeld und diesen gesellschaftlichen Bereich und ich möchte ihm nach fast 40 Jahren der Verbundenheit ein Geschenk machen, ein Denkmal setzen und die Bedingungen für seine Rettung definieren.“ (Seithe 2017, ) Auf diese Weise versucht sie wohl auch eine breitere Leserschaft anzusprechen, die über kein professionelles sozialarbeiterisches Wissen verfügt.

„Der Markt treibt der Sozialen Arbeit die Seele aus.“ (Seithe 2010,146). Und wie das passiert, zeichnet sie anhand der gut gezeichneten Figuren im Roman nach.

Die Protagonist_innen bestehen aus Hannes, Sozialarbeiter mit Leistungsambitionen, der alleinerziehenden Christine, deren Tochter Anna und der Familienhelferin Irene.

Hannes bewirbt sich erfolgreich um eine Leitungsposition, aber er muss ohnmächtig zusehen, wie Kinder und Jugendliche im Stich gelassen werden und Hilfen zu spät oder halbherzig kommen, wie beispielweise für die kleine  Anna und ihre Mutter Christine. Er versucht trotzdem, seine Sandwichposition mit den verschiedenen Rollenerwartungen seitens der Leitung und den Mitarbeiter_innen auszubalancieren. Er scheitert und findet nach einem halben Jahr eine Stelle in einem „Sozialkonzern“. Aber auch hier muss er erkennen, dass man von ihm als Leiter vor allem erwartet, die Anweisungen und Interessen seiner Arbeitgeber nach unten durchzusetzen. Seine Hoffnung auf mehr Macht und Einfluss indes erweist sich als Fehleinschätzung.

Seine Familie, seine Freunde und die Kolleginnen Miriam, Heike und Irene vom „Kritischen Kreis Soziale Arbeit“ begleiten ihn durch die Höhen und Tiefen seines Dilemmas. Hannes Thaler steht wieder zwischen allen Stühlen. Mehr soll zum Inhalt des Romanes nicht verraten werden.

Zum Hintergrund: Sozialarbeiter_innen und Sozialpädagog_innen gehören zu den berufstätigen Gruppen mit der höchsten Burnout Rate. Gegenwärtig entwickelt sich die Soziale Arbeit im Rahmen einer konservativ autoritären und neoliberalen Ideologie zur bloßen Verwahrung bis hin zum Ausschluss derer, die nicht bereit und in der Lage sind, den Habitus der Leistungsgesellschaft zu übernehmen. (Seithe 2017)

Eine inzwischen pensionierte Sozialarbeiterin schrieb‘ mir zum Buch: „Spannendes Buch, hab es in kurzer Zeit gelesen, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht, hat mich frappierend an viele Situationen in den letzten Berufsjahren erinnert. Natürlich nicht nur die ständige Erinnerung ans fehlende  Geld, von den Mitarbeiter_innen wurde in der Folge erwartet, dass sie ihre Arbeitszeit kürzen. Ich fragte mich, warum waren sie in der Zentrale nicht bereit Arbeitszeitverkürzungen auf der Leitungsebene zu machen. Sie haben den ganzen Apparat so aufgebauscht und die Verwaltung war das Wichtigste.  Und dazu die überbordende Dokumentation, die Verschärfung der Kontrolle, weil man ja den Sozialarbeiter_innen keine professionelle Arbeit zutraut. Es wurde immer unerträglicher.  Ja so sah ich diese ganze neoliberale Entwicklung, nicht nur im sozialen Bereich,  aber vor allem.“

Das Buch kann dazu beitragen, auf diese Entwicklungen, besonders auch auf deren Auswirkungen auf die betroffenen Klient_innen genauer hinzuschauen, denn „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ (Theodor W. Adorno)

Ich wünsche dem Buch viele Leser_innen! Es kann in der Praxis stehenden Sozialarbeiter_innen, die in so beschriebenen Arbeitsbedingungen gefangen sind, einen Spiegel vorhalten. Und wie eingangs schon angemerkt  kann es Fachfremden vermitteln, worum es in der Sozialen Arbeit geht, was an der Arbeit schön aber auch sehr belastend bis unerträglich sein kann.

Waltraud Kreidl

 

Quellen:

Seithe Mechthild, http://zum-wohle-roman.com/, Abruf am 11.04.2017

Seithe Mechthild, Schwarzbuch Soziale Arbeit. VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden 2010

 

wird veröffentlicht in der  Zeitschrift des Österr. Berufsverbandes

 

 

"Das Buch hinterlässt eine viel deutlichere Erinnerung als z.B. die fachlich fundierte Argumentation eines Vortrages"

Mechthild Seithe ist seit Jahren eine Verfechterin der kritischen Sozialen Arbeit und geht dabei nicht nur mit der neoliberal-kapitalistischen Gesellschaft, sondern auch mit der eigenen Profession ins Gericht, der sie ein schwaches Selbstbewusstsein und daraus resultierend den stetigen Wunsch nach [1]staatlicher Anerkennung attestiert (vgl. Seithe 2013). Das grundlegende Problem, mit dem Hannes und seine Mitarbeiter_innen zu kämpfen haben, ist die Neuorganisation der Sozialverwaltungen (Neue Steuerung) mit dem Ziel der messbaren Effektivität (vgl. Galuske 2013, S. 155). Wo Galuske noch versuchte, sozialpädagogische Praktiker_innen von den Vorteilen des Kompetenzerwerbs im betriebswirtschaftlichen Denken zu überzeugen , prangert Seithe nunmehr vor allem die konkret erlebten negativen Gesichtspunkte der Neuen Steuerung in ihrer praktischen Umsetzung an . Diese ziehen sich als roter Faden durch alle Kapitel. Den Auftakt bildet die Rede einer Vertreterin des Bundesministeriums für Familie und Jugend anlässlich einer Arbeitsgruppe der Länder zur Kostenminimierung in der Jugendhilfe, die von den Lautäußerungen einer Gruppe Protestierender begleitet wird. Ein Textausschnitt aus deren Flugblatt fasst den Inhalt des Buches bereits im Vorfeld zusammen: „Es geht den Verantwortlichen längst nicht mehr um das Wohl der Kinder. Es geht ihnen um das Wohl der Politiker, der Amtsträger, der zu Betrieben aufgeblasenen Wohlfahrtsverbände und der Sozialunternehmen. Es geht ihnen am Ende nur um eins: Es geht ums Geschäft.“(Seithe 2017, S.10). Diese Problematik hat Seithe in einem Impulsvortrag im Rahmen einer Wiener Fachtagung 2015 konkret auf den Punkt gebracht. Zu mehreren der dort aufgezeigten Probleme finden sich im Roman praktische Beispiele:

• „Soziale Arbeit ist ein Markt geworden (Seithe 2014, S.3).“ 
Dieser Markt wird hier von vielen verschiedenen Trägern bedient, die sich gegenseitig mit Dumpingpreisen unterbieten. Ungelernte Kräfte sind kostengünstig für die Betriebe und konkurrieren teilweise mit ausgebildeten Sozialpädagog_innen, die so wenig verdienen, dass sie wie ihr Klientel den Verdienst aufstocken müssen. 
• „Menschen wird die Verantwortung und ggf. die Schuld für ihre Probleme allein zugeschoben. (…)

 Unterstützung erhält man nur noch gegen entsprechende Gegenleistungen. Hilfepläne auch z.B. in der Kinderund Jugendhilfe, die einmal als Kommunikations- und Mitwirkungsinstrumente gedacht waren, geraten zu [2] Überprüfungs- und Kontrollinstrumenten.“ (Ebd., S.4)


Der Geschäftsführer der „SocialCare&Help“ ist froh, dass seiner Firma eine unzuverlässige Klientin – Christine Hartig mit ihrer Tochter Anna - „erspart bleibt“, über deren Geschichte er gut informiert ist (Seithe 2017, S.237). Er erwartet von seinen Klient_innen, dass die gewährten Hilfen dankbar angenommen werden, vom Recht der Klient_innen auf Beteiligung (Beschluss S.30) im Sinne des Ethikkodices von IFSW (International Federation of Social Workers) und IASSW (International Association of Schools of Social Work) ist nicht die Rede. Auch auf den besonderen Schutz von Mutter und Kind, der in den Menschenrechten verankert ist (Menschenrechte, Artikel 25 Abs. 2), nimmt er keine Rücksicht. Christine Hartig hat durch ihr Unvermögen, das Hilfsangebot anzunehmen, für ihn den Anspruch auf weitere Maßnahmen verwirkt. 
Die Jugendamtsmitarbeiterin Frau Herrmann ist ein weiteres Beispiel. Sie nimmt ihre Kontrollfunktion im Sinne der bestimmenden/ zuweisenden Machtausübung sehr stark wahr, im direkten Kontakt mit der Familie aber nur oberflächlich. Reglementierende Briefe schreibt sie, begnügt sich bei der Betreuung über den ASD aber dann damit, in regelmäßigen Abständen an der Tür zu klingeln, wo sie von der Mutter aber nicht hineingelassen wird. Sie zeigt keinerlei Interesse oder Eigeninitiative, obwohl sie im Vorfeld ja mehrfach von verschiedener Seite über die bedenkliche Situation der Familie informiert wurde. 
• „Selbständig denkende SozialarbeiterInnen sind nicht wirklich erwünscht (Seithe 2014., S.7).“ 
Irene Baumschneider, Mitglied im Kritischen Kreis Soziale Arbeit, erhält nur einen Jahresvertrag, da „Social Care&Help“ sich die vorher im Betriebsrat engagierte, möglicherweise renitente neue Mitarbeiterin erst anschauen möchte. Auch als Vertragsverlängerung wird ihr erneut nur ein Jahr angeboten, da sie sich zwischenzeitlich zu sehr für teure Leistungen für ihre Klient*innen stark gemacht hat. Sie zeigt daraufhin die Größe, diese Vertragsverlängerung nicht anzunehmen („So lasse ich nicht mit mir umgehen.“ Seithe 2017, S. 328). 
Somit erweist sich Irene Baumschneider als letztendlich kompromisslose Verfechterin des Ethikkodices und damit des Tripelmandates der Sozialen Arbeit, in dem es eben nicht nur um Hilfe und Kontrolle, sondern auch um die eigene Ethik und die der Profession geht.

 

Zusammenfassend gesagt, stellt Seithe den moralischen Konflikt zwischen dem betriebswirtschaftlich forcierten Case management3[3] und den hohen Ansprüchen der Profession Soziale Arbeit dar (vgl. Großmaß, Perko 2011, S.42). In Form eines Romanes ist es der Autorin möglich, die emotionale Ebene anzusprechen, die bei theoretischen Diskussionen eher vermieden wird. Sprachlich enthält sie sich bewusst einer professionellen Fachsprache, sowohl der Verlaufstext wie auch die einzelnen Unterhaltungen sind umgangssprachlich gehalten. Die inneren Vorgänge der „guten“ Protagonist*innen – allesamt Praktiker_innen der Sozialen Arbeit oder deren Klientel - sind jederzeit nachvollziehbar. Sie bleiben menschlich sympathisch, ihre Ohnmacht ist die Ohnmacht von uns allen bzw. ihre Beweggründe für das eigene Handeln und Nichthandeln sind dem alltäglichen Verhaltenskodex entnommen. Die „Bösen“, hier die Vertreter*innen der Neuen Steuerung in den unterschiedlichen Ämtern und Trägern, erscheinen vergleichsweise konturlos in ihrem Verhalten. Das Ende, in seiner Unausweichlichkeit trotzdem überraschend, hinterlässt eine viel deutlichere Erinnerung als es z.B. die fachlich fundierte Argumentation eines Vortrages könnte und dient als Appell an das eigene Gewissen und dadurch als indirekte Aufforderung, endlich im Sinne der Profession tätig zu werden.

4.10.2017

von Susanne Köszeghy, Berlin

 

Dies sind Zitate aus Mails und Gesprächen mit meinen Leser*innen:

 

15.01. 2017

Sozialarbeiterin, Bern

"Wow, das sind ja tolle News, und der Roman klingt sehr lesenswert! Ist ja so eine Art Sachbuch-Protestbuch-Unterhaltungsbuch?!

Ich werde mir das auf jeden Fall bestellen, und deine Mail in die Runde geben!"

 

 28.02.2017

Dipl. Pädagoge, Göttingen

"Ich habe das Buch in Nullkommanix durchgelesen. Es hat mir sehr, sehr gut gefallen. Wobei m.E. ein Entwicklungsprozess zu erkennen ist. Ich finde, dass das erste Drittel noch etwas steif daherkommt. Dann schreibst Du Dich regelrecht frei und die Handlung erhält einen exzellenten Spannungsbogen. Ich konnte das Buch nachher gar nicht mehr aus der Hand legen. 

Das Buch ist sehr gelungen und ich bin mir sicher, dass es den Nerv der Fachkräfte treffen wird, in die eine, wie die andere Richtung. Ja klar, es ist unmißverständlich in der Darstellung der gegebenen Abgründe und der hinter der dünnen Fassade vorgetäuschter Menschlichkeit  liegende totalitäre Anspruch neoliberaler Führung in der Jugendhilfe wird unmißverständlich sichtbar. Das wird anecken bei denen, die dieses System protegieren bzw. vertreten und entlasten bei denen, die es von der Seite der Ohnmacht her kennen und erleiden."

 

06.03.2017

Schriftstellerin, Berlin

"Ich bin dabei, Dein Buch zu lesen, das ich als lebendig empfinde. Die
innere Beteiligung der Autorin ist zu spüren, das gefällt mir. Es gibt
einen Einblick in die Arbeit der Sozialarbeiter und Familienhelferinnen.
Bin gespannt, wie sich das Schicksal der alleinerziehenden, labilen
Mutter und ihres Kindes entfaltet."

 

 08.03. 2017

Studentin, Esslingen

"Heute Abend bringe ich Auszüge Ihres Buches in unseren AKS zum Thema "Qualität der Sozialen Arbeit" an der Hochschule Esslingen ein."

  

 

10.03.2017

Dipl. Psychologin, Dipl. Sozialarbeiterin, Berlin

"...  habe es heute Morgen begonnen und fast in einem Zuge ausgelesen, hat mir ausgesprochen gut gefallen, liest sich spannend und es war nicht eine einzige Länge drin! Toll !"

 

 11.03.2017

Familienhelfer, Berlin

"Der Roman war für mich wie eine Blaupause meiner alltäglichen Berufserfahrungen.

Ich habe hier ( http://www.eu-homecare.com/de/ ) ein Praxisbeispiel für die "SocialCare&Help GmbH" entdeckt. 
Sowas ist mir bisher tatsächlich noch nicht begegnet."
 

11.03.2017

Sozialarbeiter, Leiter einer ambulanten Einrichtung, Hamburg

"Ich habe heute an meinem ersten richtig freien Samstag mich an das Weiterlesen Deines Romans gemacht.
Ich kann ihn nicht mehr aus der Hand legen.

Die Charaktere und die Geschichte finde ich so fesselnd und bin mir sicher, dass der Roman auch für nicht Fachleute total spannend sein kann. 
Ich bin sicher, dass ich Ihn Mitte nächster Woche spätestens fertig gelesen habe, so fasziniert bin ich."

 

02.03.2017

Herausgeber einer Fachzeitung für Soziale Arbeit, Berlin

 "... keine Sorge, ich habe mich bereits in  "Zum Wohle!" eingelesen und Gefallen daran gefunden. 

Vorneweg: Die idee ist schlagend, eine fachlich fundierte Geschichte in Romanform zu beschreiben, anstatt sie in einem Sachbuch abzuhandeln. Die "Schreibe" ist gut zu lesen und fließt, dadurch sind die kühlen Fakten besser zu verarbeiten. Der große Vorteil gegenüber den mannigfaltigen fürchterlichen "Dokudramen" im TV ist die Nüchternheit und Linearität zugunsten reißerischer Pointen. Die Möglichkeit, sich beim Lesen in die Charaktere hineinzuversetzen und die Personen vor Augen zu haben, birgt aber auch ein Risiko: Es sind eben immer konkrete Personen und wir wissen alle, dass individuelle Unterschiede bei der Abstraktion vom Einzelfall auf die allgemeine Problemstellung zwangsläufig geglättet werden. Sie umgehen das Problem, indem Sie die Figuren bisweilen überladen, d.h. zu viele Phänomene in einem Fall unterbringen. Dadurch werden die Beschreibungen bisweilen zu breit und die Figuren verlieren an Kontur. Durch die Länge wird der Erzählfluss verlangsamt und es braucht schon einen Marcel Proust oder Karl Ove Knausgaard, um bei geringem Tempo eine hohe Spannung aufrechtzuerhalten. Was würde wohl gechehen, wenn die Striche gröber ausfallen und damit auch der "Drive" etwas stärker würde? Wäre eine Straffung möglich, ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren? Mich würde auch interessieren, wie das Buch bei Leserinnen und Lesern ankommt, die nicht vom Fach sind."

 

 22.03.2017

Hochschullehrerin, Innsbruck

"Nun habe ich dein Buch gelesen und möchte dir dazu sehr herzlich gratulieren. Glaub’ mir, ich hatte sehr viele deja vu Erlebnisse. Man merkt einfach, dass du sehr viel von der Praxis weißt, ich finde die Figuren sehr gut gezeichnet.  Und es war noch dazu spannend!

Hat mich an unsere Geschichte erinnert. Ich hätte noch gerne gewusst, wie es Hannes weiter ausgeht. Ich habe so eine Position ja nicht mehr ertragen und beendet.

Mich würde noch interessieren, wie es bei “Laien” ankommt, das wäre ja deine Zielgruppe gewesen. Ich werde es also weitergeben." 

 

 25.03.2017

Dipl. Sozialarbeiterin im Ruhestand, Wiesbaden

"Ich hatte „Zum Wohle“ mitgenommen und ziemlich flott ausgelesen. Es las sich gut und ist m.E. eine gutgeschriebene Geschichte. Jedenfalls habe ich mir das sofort so auf den freien Seiten am Ende des Buches notiert. Weiterhin habe ich notiert: Ist das eigentlich ein wahrer Fall? Gab es eine Anna? Gab es einen Hannes, der die Karriereleiter aufstieg? Daß wahre Namen nicht genannt werden, ist mir klar – wie auch?! Die Jugendamtsfrau sieht natürlich nicht gut aus. Die freien Träger, die Aufträge an Land ziehen – egal ob die Stunden reichen – allerdings auch nicht! Der Abteilungsleiter Hannes macht einen Spagat zwischen Kindeswohl und Wohl der eigenen Familie. Es ist ein Spagat zwischen Gewissen und Jobsicherheit. Nur die Familienhelfer stehen gut da. Alle Probleme, die ich auch kennengelernt habe, sind aufgetaucht und benannt. Eine individuelle Lösung gibt es nicht.

Mir hat das Buch gefallen - das tote Kind natürlich nicht; aber es steht ja für eine bestimmte Problematik. Insofern mußte es ein drastisches Beispiel sein.

Ich gehe davon aus, daß dern Roman weitverbreiteter Realität entspricht. Sparen am falschen Ende ist in doppelter Hinsicht unverantwortlich – erstens den Klienten gegenüber und zweitens dem Steuerzahler gegenüber. Zumindest die hohen Folgekosten, die nicht gewährte Hilfen bzw. unzureichende Hilfen nach sich ziehen,  müßten eigentlich überzeugen. Ähnliche Probleme sehe ich bezüglich der Flüchtlinge. Wenn man in diesen Bereich nicht investiert, kann eine Integration nicht gelingen. Eigentlich sollte man das wissen

Das Buch gibt auch dem mit dem Thema nicht vertrauten Leser einen guten Einblick in die Welt der sozialen Arbeit. Auch für Studenten bietet es Stoff  zum Nachdenken und sich damit Auseinandersetzen."

 

 28.03.2017

Dipl. Psychologin, Psychoanalytikerin

"Vielen Dank für die Zusendung der Bücher ich habe es tatsächlich auf der Zugfahrt nach Berlin gelesen bzw auf dem Rückweg.

Ich fand die Idee und das Buch grundsätzlich gut. Am Anfang ein bisschen zu pädagogisch, etwas zu deutlich, was gesagt werden sollte, jedenfalls für mich für einen Roman. Später wurde das weniger und dadurch besser und spannender."

 

10.03.2017

Dipl. Sozialarbeiter, Niedersachsen

"Übrigens finde ich die Idee, ihre kritische Haltung gegenüber der nicht nur derzeitigen prekären Entwicklung der Kinder- und Jugendhilfe in einem Roman darzustellen, um auch die müden und mittlerweile demotivierten Sozialarbeiter*innen dazu anzuregen, sich mit den aktuellen Entwicklungen in der Kinder- und Jugendhilfedebatte auseinanderzusetzen, genial!!

Ich werde das zweite Exemplar einem von mir sehr geschätzten Jugendamtsmitarbeiter schenken, welcher sich in gerader dieser von Ihnen beschriebenen Situation befindet in der Hoffnung, dass es ihm dadurch gelingt für sich einen positiven Lösungsweg zufinden. Ich bin gespannt."

 

 

5.7.2017

Sozialarbeiterin, Österreich

Ich bin von Ihrem Roman sehr beeindruckt. Obwohl ich immer in anderen als den im Buch beschriebenen  Bereichen der Sozialen Arbeit gearbeitet habe, konnte ich viele meiner Beobachtungen und Erfahrungen aus den letzten Jahren wiederfinden. Die Geschichte ist sehr lesbar und führt gleichzeitig sehr nachvollziehbar in eine tiefer gehende Analyse. 

  Zu meinen Beobachtungen: Wenn ich jetzt kurz nur den Ausschnitt 'Praxis' betrachte: Spürbar wurde die problematische Entwicklung für mich erstmals Mitte der 1990er Jahre als mann (und frau) begann, betriebswirtschaftliche Management-Konzepte einzuführen, und die Begriffe 'strategisch' und 'operativ' erfand: Die einen definieren oder überbringen irgendwelche Vorgaben ('Aufträge'), die anderen haben sie auszuführen, mehrfach zu dokumentieren und zu rechtfertigen.
Ich (und einige andere!) fanden das schon damals für sinnvolle Arbeit unbrauchbar, realitätsfern und gefährlich, und argumentierten dagegen, aber davon ließ sich niemand beirren. Übrigens habe ich damals zum ersten Mal KollegInnen getroffen, die erzählten, dass sie jetzt Stundenkontingente pro 'Fall' zugewiesen bekämen. Ich war damals ziemlich entsetzt darüber.

Jetzt, mehr als 20 Jahre später, finde ich in immer mehr Bereichen diese oder ähnliche Strukturen vor, oder sie werden gerade  in aufwändigen Prozessen eingeführt - Teams und KollegInnen-Gruppen werden von einander getrennt, die einen beauftragen ('strategisch'), die anderen führen durch. Das läuft nicht nur zwischen Geldgeber und Träger-Einrichtung so, sondern manchmal auch innerhalb derselben Abteilung.

Die einen 'managen' den 'Case', die anderen liefern das 'Produkt'. Und all das ständig auf der Suche nach noch nicht völlig erschlossenen "Ressourcen", also mit der Illusion, noch irgend etwas zu finden, das unter Kontrolle gebracht, und dadurch "effizienter" gemacht werden kann. Diese Art Arbeit verschlingt viele der für den Sozialbereich gewidmeten Steuermittel, die damit den Menschen, um die es gehen sollte, entzogen werden. Einige wenige Beteiligte an den oberen Enden der Hierarchien verdienen dabei ziemlich gut.

Vor Kurzem habe ich an einer Qualitäts-Management-Veranstaltung teilgenommen, bei der es darum ging, Arbeitsbereiche ausfindig zu machen, die noch nicht mit Merkblättern, Anweisungen und Prozess-Beschreibungen belegt sind, bereits vorhandenen Handlungs-Anweisungen zu aktualisieren, und auf eine bestimmte Art als 'gelenkte Dokumente' zu kennzeichnen... Ich schließe daraus, dass die Bemühungen intensiviert werden, eine Art Monokultur einzuführen, in der die SozialabeiterInnen, immer weniger Freiräume haben, zu überlegen, wie sie an ein Problem herangehen - statt dessen wird von den KollegInnen wohl erwartet, dass sie nach der jeweils passenden Anweisung suchen. Mit den vielen 'Handlungs-Anweisungen' bauen wir uns buchstäblich unsere eigenen Mauern. 

Selbstverständlich besteht das Grundproblem weder im Qualitäts- noch im Prozess-Management oder einem ähnlichen Instrumentarium, sondern in der Eingliederung des Sozialsystems in eine Produktionslogik, die geeignet ist, die Soziale Arbeit wie ich sie während meiner Ausbildung und wichtigen Phasen meines Arbeitslebens gekannt und geschätzt habe, zu zerstören.

Dem Qualitäts-Management stehen allerdings zahlreiche PraktikerInnen ebenso unkritisch gegenüber, wie den ebenfalls um sich greifenden Mehrfach-Dokumentationen. Zweifel am Nutzen dieser zeitaufwändigen Übung werden mit Hinweisen auf  'gesetzliche Vorgaben',  'Absicherung' oder auf angestrebte Qualitäts-Zertifizierungen beantwortet - was dann niemand mehr hinterfragt.

 Zum Thema 'Absicherung': das Leben der kleinen Anna in Ihrem Buch hat das Qualitäts-Management um keinen Augenblick verlängert, aber wahrscheinlich konnte die Jugendamts-Kollegin ihre völlig korrekte Vorgangsweise anhand ihrer Dokumentationen belegen, anstatt nach Bedürfnissen und Menschenrechten zu fragen, und für ihre Anteile am Geschehen Verantwortung zu übernehmen ... Ich könnte mir vorstellen, dass in ein paar Jahrzehnten HistorikerInnen erforschen werden, wie es zu diesen Entwicklungen kommen konnte.

Bei all dem handelt es sich nicht einfach um Kürzung der Finanzmittel, obwohl das sicher auch eine Rolle spielt. In manchen Bereichen wird sogar weiterhin investiert. Aber beim Einsatz der Mittel wird nicht danach gefragt, was Menschen brauchen, und wie ihre Bedürfnisse erfüllt werden können, sondern danach, wie die Arbeit im Sozialbereich (Soziale Arbeit, Pflege, Unterstützung aller Art) homogenisiert, standardisiert und fließbandartig durchgeführt werden kann. Da dies widersinnig ist, und nicht funktioniert, wird die Kontrolle weiter verstärkt.

Am Ende des Buches deuten Sie an, dass sich Irene dem System entzieht und ihrer Wege geht, und von Kolleginnen einige Öffentlichkeits-Aktionen geplant werden. In diese Richtung gehen auch meine Vorstellungen, wie wir SozialarbeiterInnen uns dazu verhalten können. 

 Ich fände es gut, wenn es uns gelänge, die Soziale Arbeit den oben angesprochenen Produktions-Konstruktionen zu entziehen. Interessant wäre, wie sich die Situation außerhalb des deutschen Sprachraumes entwickelt - wissen Sie vielleicht, ob es dazu Erkenntnisse gibt?“

Ich werde jedenfalls ihren Roman weiterhin den KollegInnen empfehlen (und wahrscheinlich in der nächsten Zeit weitere Exemplare bestellen, um sie einigen Personen bei nächster Gelegenheit zu schenken). Sehen Sie vielleicht eine Möglichkeit, dass das Buch auch als Hörbuch für sehbehinderte KollegInnen aufgelegt werden könnte?

 

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© Mechthild Seithe