Poesie und Texte
Poesie und Texte

Blinde im Licht

geschrieben 1968

 

2. Hälfte des 20. Jahrhunderts in irgendeiner größeren Universitätsstadt im Deutschland kurz vor den 68ern,

etliche Jahre vor der Erfindung des Handys und des Computers

 

ein zweistöckiges Mietshaus; Altbau; im Vorkriegsstil

 

Personen:

 

 

Manfred Thomas

etwa 23jährig

Mathematikstudent

groß, schlank

 

Frau Reiners; Anita

etwa 50jähig

Mutter eines studierenden Sohnes

klein, rundlich,

Ehefrau des

 

Herrn Reiners; Eduard

etwa 50

leitender Angestellter einer kleinen Firma

größer als seine Frau, untersetzter Körperbau

 

Frau Meinert

etwa 45

Büroangestellte

groß, starker Körperbau

 

Frau Franke; Helga

28-30 Jahre alt

Mutter von 2 kleinen Kindern

jetzt Hausfrau, früher Studium

groß, schlank

 

Herr Franke; Theo

etwa 30 Jahre alt

Studienassessor für Latein und Englisch

groß, dünn

 

Birgit Leutmann

21 -22 Jahre alt

Medizinstudentin

mittelgroß

 

Herr Schneider

etwa 75jähriger Greis

groß, untersetzt aber gebrechlich

 

Prolog

 

 

Manfred Thomas  tritt vor den geschlossenen Vorhang in der gleichen Kleidung (etwas ordentlicher mit Schlips) wie später  in der 1. Szene.

Er tritt vorne an den Bühnenrand wie ein konventioneller Prologredner.

 

Guten Abend, meine Damen und Herren!

Er macht eine Pause und spricht dann überraschend informell, fast improvisierend weiter.

 

Warum sind sie eigentlich heute Abend hier her gekommen? Sie wussten bestimmt nicht, was sie hier erwartet. Deshalb möchte ich Sie warnen: Was Sie sehen werden ist das Leben einiger unbedeutender Menschen. Aber es könnte ebenso gut das Ihrige sein. Erschrecken Sie deshalb nicht!

(korrekt) Ich sage das, damit den Damen und Herren, die hierher gekommen sind, um sich gut zu unterhalten, noch die Möglichkeit gegeben sei, rechtzeitig den Saal zu verlassen.

Pause. ironisch

Keiner? Ein mutiges Publikum!

Mit Mut alleine, meine Damen und Herren ist es allerdings nicht getan. Das Wesentlich kommt danach.

Dieses „Danach“ ist dann allerdings auch mehr Ihre Sache.

Aber ich möchte nicht vorgreifen. Sie werden ja sehen.

er geht ab.

Nach kurzer Pause geht der Vorhang auf.  

 

I. Akt

 

1. Szene

 

Studentenbude, nicht sehr luxuriös aber praktisch.

Links im Vordergrund ist das Fenster, rechts die Tür.

Manfred Thomas sitzt am Schreibtisch mit dem Rücken zum Publikum und arbeitet.

Das Tonband spricht vor der Bühne. Es ist die Stimme von Manfred Thomas, so wie er beim Prolog gesprochen hat.

 

Sehen Sie, das bin ich. Da sitze ich wieder und arbeite und arbeite. Nächste Woche schreiben wir eine Klausur und der Kram geht mir natürlich nicht in den Kopf, das Übliche: Formeln und immer nur Formeln, Buchstaben, Zahlen, Zeichen. Und wenn ich damit fertig bin, konstruiere ich eine Brücke, über die ich selbst nie gehen werde.

(Pause)

Und dabei gehen mir auch noch dauernd die Gedanken von gestern im Kopf rum. Ich habe da einen Vortrag gehört über Anarchie und Moral“. „Es ist alles erlaubt“ hat da jemand behauptet und ich versuche ihn seit gestern vergeblich zu widerlegen.

(Pause)

Ja, sie haben recht: Jugend, unausgegoren und so….

plötzlich schnell und hinterhältig

Aber können Sie ihn widerlegen? Wirklich?

ironisch

Großartig! Dann müssen Sie mir aber auch sagen können, was ich tun soll. Sehen Sie, ich bin es leid!

 

Manfred Thomas steht auf und wirft fluchend das Buch hin. Er kommt in den Vordergrund, steckt sich eine Zigarette an, wirft sich in den Sessel und streckt alle Viere von sich.

Tonband läuft weiter:

Nicht nur diese Formeln bin ich leid. Ich bin es überhaupt leid, für ein Ziel zu arbeiten, das mir nichts sagt: Ich schufte, mache meine Prüfungen – und dann bin ich was – d.h. eigentlich bin ich nichts. Und das  bin ich eben leid, dieses Nichts. Verstehen Sie?

Manfred Thomas springt auf und geht auf und ab.

Dann verstehen Sie allerdings mehr als meine Freunde. Die fühlen sich ganz wohl dabei, sich ihr Bett zu machen, in dem sie ihr Leben verschlafen werden. Ich für meinen Teil habe einfach keine Lust, mein Leben zu verschlafen.

Pause

Manfred Thomas nimmt eine ermattete, weniger aggressive Haltung ein.

D.h. eigentlich habe ich Angst. Wirklich Angst. Es soll Leute geben, die für etwas leben. Aber ich habe noch nichts gefunden, für das ich leben könnte. Und deswegen habe ich Angst.

Nicht eigentlich wegen mir. Aber es ist doch schrecklich, zu denken, dass man für etwas da gewesen ist: 40,60, 80 Jahre nur dafür da war, und dass man diese Zeit verpennt hat- oder auch anders vertan: durch Geld, durch das Kitzeln der eigenen Triebe, oder auch nur durch ein paar Formeln.

Pause, Manfred Thomas setzt sich wieder.

Meine Freunde halten mich für einen Idealisten und Grübler. Und ich fürchte, Sie, meine Damen und Herren, denken ähnlich von mir.

gehetzt

Aber sehen Sie: morgen werde ich den ganzen Tag nichts anderes sehen als Zahlen und Formeln – und abends kommen ein paar Kumpel von mir hier auf meine Bude. Wir werden über die Klausur reden und ein bisschen rumhängen. Georg wird seine neusten Weibergeschichten erzählen, Heinz versucht uns wieder, für irgendeine Idee zu gewinnen. Peter redet über sein neues Auto und ich werde mit sarkastischen Bemerkungen um mich schmeißen.

Wenn wir uns dann trennen, ist jeder ärmer und einsamen als er es vorher war. Ist das kein Grund Angst zu haben?

Pause, steht wieder auf.

Aber ich habe nicht nur Angst.

Ich würde gerne etwas dagegen tun. Ich weiß einfach nur nicht, was. Darüber werden Sie sicher auch lächeln.

Aber ich verstehe unter Tun vielleicht etwas anderes als Sie? Etwas tun heißt für mich, einen Mittelpunkt haben und aus diesem Mittelpunkt heraus leben – so wie ein Baum aus seiner Frucht oder ein Lied aus seinem Ton.

Die meisten haben in ihre Mitte etwas gestellt, was gar nicht da hinein gehört. Aber sie klammern sich daran. Und ihr Leben eiert um einen Selbstbetrug.

Die anderen brüsten sich mit ihrer inneren Leere und blasen sich auf wie Ballons, weil sie ohne eine Mitte meinen leben zu können. Jede glühende Zigarette bringt sie zum platzen.

Aber ich bin ein fallender Planet. Ich wünsche mir, dass ich, bevor ich zerschelle, noch erkennen werde, in welches Sonnensystem ich gehört habe.

Ich sehe ja ein: ich tue wirklich auch nicht mehr als die anderen. Aber ich warte. Und ich frage. Das ist nicht viel. Ich weiß. Deshalb habe ich eben auch Angst. Das ist es.

Das wollte ich Ihnen vorher sagen.

 

Und das also bin ich: Manfred Thomas, Student, müde, vom vielen Pauken und auch so.

 

Manfred Thomas  steht am Fenster und schaut raus. Im Folgenden spricht er direkt. Seine Stimme klingt jetzt persönlicher  und ist von der vorigen Tonbandstimme deutlich zu unterscheiden.

Merkwürdig, so ein Abend: die Straßen spannen sich von Laterne zu Laterne, aber am Ende tauchen sie doch irgendwo in der Dunkelheit unter. Das Muster des Pflasters läuft unruhig hinter den Schatten her. Die Hauswände werfen den harten Schall der Schritte auf die Menschen zurück. Und wie unassimilierte, fremde Wesen aus Blech bohren die Autos grelle Löcher in die Nacht und huschen geräuschvoll vorbei. Jedes mal atmet die Straße mit geschlossenen Augen auf.

Pause

Ich weiß nicht, was mich heute Abend so traurig macht, richtig hilflos traurig?

er geht vom Fenster weg.

Als hätte ich einen Grund dazu! Die Klausur wird schon klappen. Ich gehe morgen früh gleich rüber zu Peter. Vielleicht kann er den Kram besser.

verächtlich

Ach, die Klausur! Als ginge es um die Klausur! Was geht mich eigentlich diese blöde Klausur an!

Er bleibt wieder am Fenster stehen.

Entsetzlich, wie weiß der Mond durch die Fernsehantennen blickt. Eine bleiche Scheibe ohne Gesicht.

Die Fenster auf der anderen Straßenseite sind hell und warm erleuchtet. Aber dahinter wird es nicht besser stehen als hier: Einsamkeit, Verzweifelung und Sinnlosigkeit. Und der Mond hängt wie ein erfrorenes Licht über der Stadt. Er ist blind. Er sieht nichts von dieser Erde unter ihm, von der Angst der Menschen, die frieren, wenn er sie anblickt aus seinem toten Gesicht. Nichts sieht er: nicht den Besoffenen, der dort drüben die Häuserwände entlang torkelt, nicht das Liebespaar in einer Ecke der Nacht und nicht die hilflosen Tränen der alten Frau, die sich, in ihren Persianer gehüllt, durch die dunklen Straßen schleppt.

Aber ich, ich muss es sehen, tagelang, nächtelang, immer zu. Und dabei weiß ich doch selber nicht …

Er löst sich wieder vom Fenster.

Als ginge es da noch um Klausuren und Zahlen!

Er wirft sich erneut in den Sessel.

Aber es nützt schließlich keinem etwas, wenn ich hier Trübsal blase und herum philosophiere.

„Schlaf dich erst mal aus, bis du wieder ein Mensch bist!“ würde Ulrike jetzt sagen. Ulrike. Auch das noch! Ich wollte ihr eigentlich schreiben, dass sie am Wochenende zu der Fete bei Tom kommen soll. Aber eigentlich hab ich keine Lust, sie zu sehen. Und überhaupt, dieses Wochenende mit ihr nervt mich jetzt schon. Als wüssten wir beide nicht ganz genau, wie wenig wir von einander halten: Tanzen, Kneipe, ein bisschen Sex.

Sex. Sicher, man braucht so was. Man hat schließlich auch einen Hormonspiegel. Und man geht einfach nicht solo durch die Welt.

mit veränderter Stimme, deutlich, kalt

Aber selig, wer sich damit abgefunden hat, dass es da sonst nichts geben soll …

ironisch

Liebe?

Was hat sie damals gesagt, als wir mit Georg und den anderen gefeiert haben nach seinem Vorexamen? „Ulrike“, habe ich sie an diesem Abend gefragt: „Ich habe ein schlechtes Gefühl. Hoffentlich machst du dir nicht ein falsches Bild, ich meine von uns beiden. Ich meine: liebst du mich etwa?“

kleine Pause; dann ganz schnell

Sie hat gelacht. „Du bist ein verrückter Spinner! Liebe! Ich dich lieben! Wie kommst du bloß darauf? Ich finde dich ganz erträglich, mein Junge. Aber ich wusste noch gar nichts von deiner lyrischen Ader. Also im Ernst: Liebe? Wach auf!“ hat sie gesagt und gelacht. „Wach auf! Den Traum hat die Menschheit im Paradies ausgeträumt.“ Und dann hat sie mich geküsst.

Traum … Lyrik ….Sollte ich wirklich an so was glauben? Lächerlich!

er setzt sich verärgert an den Schreibtisch, schlägt ein Buch auf und bleibt so sitzen, arbeit wieder ….

Es folgt wieder seine Tonbandstimme

Verstehen Sie?

kleine Pause

Schrecklich hier! Als wohnte sonst kein Mensch in diesem Haus. Dabei leben hier rings um mich lauter Leute. Mauern oben und unten und an allen Seiten: Jeder hat seinen Käfig für sich.

Das hier war also mein Käfig.

 

Bühne wird dunkel

 

2. Szene

 

Noch während der Vorhang geschlossen ist, hört man die Tonbandstimme von Manfred Thomas.

 

Manfred THOMAS . Nebenan wohnen meine Wirtsleute: Reiners. Er ist ein komischer Kauz, ein bisschen überheblich. Aber mit seiner Frau kann man ganz gut auskommen. Sie will sich immer mit mir unterhalten, wenn sie mich seiht, na ja. Sie hat, glaub ich , auch einen Sohn der irgendwo studiert …

 

Wohnzimmer, Aufenthaltsraum, seitlich geht eine Tür zum guten Zimmer.

Dieser Raum ist gut, fast vornehm eingerichtet, wirkt aber fast steril.

Links sitzt Frau Reiners am Bügeltisch und bügelt (en face). Sie ist etwas nachlässig gekleidet. Ihr Gesicht ist noch nicht alt. Sie wirkt unruhig und abgespannt. Ihre Augen scheinen sich immer wieder an den Gegenständen ihrer Umgebung festhalten zu wollen, als hätte sie Furcht vor etwas Unbestimmtem.

Rechts sitzt Herr Reiners am Tisch (Profil) und liest Zeitung. Er trägt einen eleganten Anzug. Seine etwas grobschlächtige Figur und die Lässigkeit mit der er sich hält (Schlipsknoten aufgezogen, oberster Hosenknopf geöffnet) stehen im Widerspruch zur Eleganz, um die er sich offensichtlich bemüht.

 

Herr REINERS. (mehr zu sich) Hast du gelesen? In Vietnam …

Frau REINERS. (unterbricht ihn abrupt und emotional) Ach die sollen doch endlich aufhören mit dem Krieg. Diese Bomben immerfort! Können die sich denn nicht benehmen wie anständige Mensche? Dauernd so viele Tote!

Herr REINERS. (abkanzelnd) Also weißt du, wenn ich dich schon so reden höre! Die?! Du hast ja nicht mal ne Ahnung, worum es in Vietnam geht.

Frau REINERS. Das ist mir auch ganz egal. Sie sollen endlich Frieden machen! Ich kann das nicht mehr hören, diese dauernden Bombenangriffe! Stell dir mal vor, unser Junge müsste da kämpfen!

Herr Reiners schweigt bockig.

Frau REINERS. Ich bin ja froh, dass er so in Ruhe studieren kann. Hast du seinen Brief schon gelesen?

Herr REINERS. (abwesend) Ja.

Frau REINERS. Rainer schreibt so nett. Ich bin gespannt, wann er wieder mal nach Hause kommt.

Herr REINERS. (kalt) Den zieht so schnell nichts hier her. Der hat ja da in Stuttgart alles. Was soll er denn hier?

Frau REINERS. Eduard, du bist einfach herzlos! Das Zuhause von Rainer ist doch immer noch hier. (sie schaut auf die Uhr)

Was glaubst du, was er jetzt macht? Ob er noch arbeitet um diese Zeit? Er muss ja so viel arbeiten.

Herr Reiners reagiert nicht.

Frau REINERS. Ob er abends manchmal an uns denkt?

Herr REINERS. (ungeduldig, grob) Also bald reichts mir aber! Du glaubst doch nicht im Ernst daran, dass der Junge nichts Besseres zu tun hat, als an seine Eltern zu denken.

Frau REINERS. Aber wieso denn?

Herr REINERS. Guck dir doch den Brief an. Ich denke, du hast ihn gelesen?

Frau REINERS. Ja doch. Aber …

Herr REINERS. Hier: was schreibt der Herr Sohn denn nun? “Ich brauche das und das und das. Das müsst ihr mir schicken. Sonst geht es mir gut. Basta!“

Frau REINERS. Ja, aber wenn er es doch …

Herr REINERS. Himmel noch mal! Merkst du denn nicht, dass wir Rainer längst egal sind? Ab und zu braucht er was von uns – aber das ist auch alles. Hier, du hast es ja selbst gelesen: Kein freundliches, persönliches Wort. Wir wissen ja kaum, was er macht, Anita.

Frau Reiners ist unfähig zu sprechen. Sie sieht ihn verzweifelt und hilflos an.

Herr REINERS. (beschwichtigend) Und was ist denn auch so Schlimmes dabei? Mein Gott, er ist jung! Er lebt jetzt sein eigenes Leben.

Frau REINERS. Aber er ist doch, … Edurad er ist doch unser Sohn!

Herr REINERS. Meine Güte, ja sicher: Sohn. Schön. Dafür haben wir uns lange genug mit ihm abgeplagt. Jetzt können wir doch endlich mal so leben, wie wir wollen. Ist das nichts?

Frau Reiners sitzt statt vor Entsetzen da, sagt nichts. Weil er nicht aufsieht und sie nicht sieht, hält er die Angelegenheit für erledigt und liest weiter Zeitung.

Nach einigen Sekunden sagt sie endlich

Frau REINERS. Edurard …

Herr REINERS. (abwesend) Ja. Dann schaut er plötzlich zur Uhr. Ach Gott, mein Krim!

er springt auf und faltet die Zeitung zusammen. Ohne sie noch mal anzusehen, geht er ins Nebenzimmer.

Frau Reiners bleibt fassungslos sitzen.

Herr REINERS. (aus dem Nebenraum) Wolltest du ihn nicht auch sehen?

Frau REINERS. (böse und traurig) Nein.

Man hört Fernsehgeräusche.

Frau Reiners bleibt einige Zeit so sitzen. Der Ärger nimmt allmählich überhand auf ihrem Gesicht.

Frau REINERS. Ja geh nur zu deinem Fernsehen. Nichts als Fernsehen kannst du!

Sie steht auf und geht zum Tisch

Wie der immer mit den Sachen herumschmeißt! Keine Ordnung kann er halten. Nur immer Fernsehen.

Sie bleibt still stehen, sie zögert.

Ihr Gesicht bekommt wieder den früheren verzweifelten, entsetzten Ausdruck. Sie greift nach dem Brief und liest ihn, mit dem Gesicht zum Publikum.

 

 

Vorhang

 

3. Szene

 

Noch während der Vorhang geschlossen ist, hört man die Tonbandstimme von Manfred Thomas.

Manfred THOMAS. In der 1. Etage über mir wohnt Frau Meinert. Sie arbeitet, glaub ich, irgendwo im Büro. Schon älter. Ich sehe sie eigentlich nie. Sie lebt da wohl ziemlich für sich.

 

nett eingerichtetes Zimmer, moderne Möbel, Sessel, viele Kleinigkeiten.

Wenn der Vorhang aufgeht, steht Frau Meinert seitlich am Telefon mit dem Rücken zum Publikum. Sie ist sportlich-schick gekleidet aber ihre Erscheinung wie auch ihre Bewegungen sind fahrig, achtlos und nervös

 

Frau MEINERT. Ja, hallo Frau. Verbinden Sie mich bitte mit München 6176918. Ja, ich warte.

Pause. Sie steht unruhig mit dem Hörer in der Hand, wendet sich allmählich mit dem Gesicht zum Publikum.

Plötzlich strahlt sie auf:

Ach, hallo Elke!

Oh, mir geht es ganz gut. Wie geht es euch denn?

Auf ihrem Gesicht malt sich Enttäuschung. Die Stimme ist abgesackt.

Ach, ihr wolltet ausgehen heute Abend. Du bist schon im Mantel. Ja, dann will ich euch nicht aufhalten.

(leise, traurig) Nein, es ist nichts besonderes, ich rufe nur so an. Ich wollte mal hören, wie es euch geht.

(müde Stimme) Ja, das freut mich.

Was ich gerade tue? (lacht nervös) Nichts Elke, ich rufe ja an, weil ich nicht weiß, was ich tun soll.

(gequält) Ja, ja

Nein, da ist nichts draus geworden.

Nein, Elke, es immer noch dasselbe. Verstehst du?

(enttäuscht) Ja, natürlich. Du kannst ihn nicht warten lassen. Das Auto ist schon da. Ja, dann wünsche ich euch viel Vergnügen!

(hastig) Ja, ja. Nein, es wird schon gehen. Macht euch keine Sorgen, wirklich. Grüß Ludwig. Also tschüß!

Frau Meinert behält den Hörer in der Hand. Von ihrem Gesicht fällt die Freundlichkeit wie eine Maske ab. Sie sackt erschöpft in sich zusammen und bleibt sekundenlang bewegungslos so stehen.

Schließlich fängt sie an, im Zimmer umher zu gehen, als suche sie etwas. Man hört das überlaute Ticken einer Uhr. Sie bleibt immer wieder stehen, schaut aus dem Fenster, lehnt sich gegen den Schrank etc.

Am Fenster stehend

Frau MEINERT. Feierabend! Sie haben alle den ganzen Tag nichts im Kopf als ihren Feierabend. (Pause). Auf mich wartet keiner zu Hause. Sobald ich diese Tür hinter mir zu gemacht habe, bin ich lebendig begraben. Feierabend.

Pause. Plötzlich hält sie sich die Ohren zu und brüllt

Frau MEINERT. Ich kann meine Stimme nicht mehr hören. (Pause, dann resigniert) Ich werde och verrückt!

Am Fernsehgerät nimmt sie das Programmheft, liest darin, wirft es wieder hin. Ach …

dann: 20 Uhr 40! Immer noch nicht später. Wenn ich ins Bett gehe, kann ich nicht schlafen. Es ist jeden Tag das Gleiche.

Sie steht eine Weile am Fenster, schließlich zuckt sie die Achseln, geht zu einem der Sessel, setzt sich und nimmt ein Buch und liest nach einigem Suchen laut. Ihre Stimme klingt verändert, bewusst und stark  und sachlich, aber etwas schleppend und gequält.

Frau MEINERT. Als Clarisse am anderen Morgen erwachte, wurde ihr mit einem Schlag bewusst, was gestern geschehen war. Wie sollte sie George bloß klar machen, dass sie noch heute von hier fort müsste? Noch heute! Clarisse sprang aus dem Bett und lief ans Fenster. Der blaue Himmel dehnte sich über der Bucht und verschmolz am Horizont mit dem Wasser. Das Wetter war unverändert. Gestern um diese Zeit hatte sie es noch nicht gewusst! Clarisse wandte sich mit Schaudern ab. Sie musste den ersten Zug nehmen. Sie konnte einfach keine Sekunde mehr hier bleiben. George würde es nicht verstehen. Aber Clarisse hatte jetzt keine Zeit. Später könnte sie alles erklären. Später? Was war das: später? Ach, sie hatte ja keine Ahnung, keine Ahnung, wie dieses Später für sie aussehen würde. Es ging alles so schnell. Diese vielen Menschen; tausend neue Eindrücke und nun auch noch das! Clarisse schwindelte.

In zwei Stunden muss im Zug sitzen, dachte sie. Sie zog sich an und eilte hinunter. Im Foyer traf sie George. Er lächelte. „Dein Zug fährt 11 Uhr 10“, sagte er. Clarisse sah ihn fassungslos an ….

Frau Meinert unterbricht sich, klappt das Buch unwillig zu und sagt mit müder, völlig veränderter Stimme:

Es hat keinen Sinn. Es regt mich nur auf.

Sie bleibt einige Sekunden unbeweglich sitzen.

Ich lese mir selbst schon laut vor, damit ich merke, dass ich alleine bin. Aber es wird nur schlimmer. Ich höre die Traurigkeit in meiner Stimme immer durch, was sie auch sagt, was ich auch lese. Jedes fremde Wort liegt wie eine Lüge auf meiner Zunge und lacht mich aus. (kleine Pause) Und in allen Zimmerecken steht meine Einsamkeit.

Sie bleibt reglos sitzen.

 

Vorhang

 

4. Szene

 

 

Noch während der Vorhang geschlossen ist, hört man die Tonbandstimme von Manfred Thomas.

Manfred THOMAS. Neben der Meinert wohnen Frankes. Er muss Lehrer sein, Studienassessor. Seine Frau hat übrigens früher mal bei uns studiert. Ich kannte sie vom Sehen. Jetzt hat sie Kinder. So geht das.

Sind aber ganz vernünftige Leute, nehme ich an.

 

einfaches, etwas voll gestopftes Wohnzimmer. Herr Franke sitzt seitlich im Profil an einem Tisch und korrigiert Hefte. Er sitzt sehr engagiert und interessiert vor seiner Arbeit. Sein lebhaftes Minenspiel verrät nacheinander Ärger, Erstaunen, Belustigung, Besorgtheit. Der Tisch ist bepackt mit Heften und Büchern. Ihm gegenüber auf einem Sofa sitzt Frau Franke. Sie arbeitet nervös und ungeduldig an einer großen Stickerei. Sie vertut sich dauernd, muss wieder auftrennen und ist ärgerlich und lustlos.

Er redet ab und zu von seinen Schülern zu ihr, ohne aber eigentlich mit ihr zu reden.

 

Herr FRANKE. Also es ist doch unglaublich, wie dieser Junge arbeitet! Überhaupt keine innere Ruhe scheint mir. Er hampelt nur so rum. Wenn er konzentrierter wäre, könnte er wirklich was leisten.

Pause, neues Heft

Dabei habe ich ihnen das doch 50mal erklärt! Es ist zum Verzweifeln! Wie wenig Erfolg man hat bei den Jungen. Bei so viel Mühe! Die Mädchen lernen besser.  

Pause

Habe ich dir von Peter erzählt aus der Klasse 5b? Ich habe hier gerade sein Heft. Wirklich erstaunlich, wie der sich gemacht hat!

Pause

Frau Franke wirft ihr Stickzeug in die Sofaecke und geht ans Fenster. Sie stellt sich mit dem Rücken zu ihrem Mann. Sie spricht etwas gereizt.

Frau FRANKE. Ich war heute mit Bernhard beim Doktor. Weißt du, was er gesagt hat?

Herr FRANKE. (ohne aufzusehen) Mh?

Frau FRANKE. Er meinte, bei dem kleinen Sohn von Frau Kämmerling – weißt du noch, die wohnte mal auf unserer Straße??? (er reagiert nicht) Kannst du dich noch an die erinnern?? Wie hieß noch gleich der Sohn?

Als er immer noch nicht reagiert, wendet sie sich ihm ungeduldig zu.

Frau FRANKE. Du sprichst wohl nicht mehr mit mir?

Herr FRANKE. (ohne aufzublicken) Helga, du siehst doch, dass ich arbeite. Stör mich doch bitte nicht dauernd.

Frau FRANKE. Arbeiten, arbeiten, arbeiten… immer musst du arbeiten!

Sie schaut ihn schmollend und verärgert an. Er arbeitet ungestört weiter.

Schließlich bricht sie aus:

Frau FRANKE. Ich schufte hier den ganzen Tag, damit wir es abends gemütlich haben können und du musst immer arbeiten! Selbst am Abend sitze ich alleine hier herum. Du bist vor lauter Arbeit nicht einmal ansprechbar!

Herr FRANKE. (verärgert) Dann hättest du keinen Lehrer heiraten dürfen.

Schweigen. Sie bricht plötzlich in Tränen aus, versucht sich zu beherrschen.

Jetzt sieht er auf und weiß gar nicht, was los ist. Schließlich sagt er ungeduldig:

Herr FRANKE. Helga! Was ist denn? Was hab ich denn getan?

Frau FRANKE. (verzweifelt) Was du mir getan hast? Nichts! Natürlich nichts. Aber ich habe es satt, dein Dienstmädchen zu sein. Ich könnte mir selber mein Geld verdienen. Ich könnte im Beruf stehen genau wie du, ich könnte etwas leisten, Leute kennen lernen, in der Welt eine Rolle spielen. Und was hindert mich daran? Was bitte? Ich will nicht langsam versauern hier! Ich habe es satt, verstehst du: satt! (entschlossen) Ich such mir eine Stelle.

Herr FRANKE. Und die Kinder?

Frau FRANKE. (kalt) Ja, das ist dein Trumpf. Kinder sind das Band einer Ehe, nicht wahr. Hätte ich je gewusst, dass sei zur Fessel werden können!

Herr FRANKE. (schockiert) Helga!

Frau FRANKE. Ach, lass mich doch!

Sie hat sich wieder gesetzt und stickt weiter. Er wendet sich nach kurzem Zögern wieder seinen Heften zu.

kleine Pause

es klingelt. Frau Franke öffnet unwillig die Tür.

Frau Meinert steht etwas verstört in der Tür.

Frau MEINERT. Entschuldigen Sie bitte Frau Franke, dass ich so spät störe. Aber ich sehe gerade, dass meine Uhr stehen geblieben ist. Ich muss doch meinen Wecker stellen. Könnten Sie mir vielleicht….

Frau FRANKE. (fällt ihr ins Wort) Es ist genau 21.10 Uhr.

Frau MEINERT. Vielen Dank Frau Franke, vielen Dank auch …

Frau FRANKE. (freundlich) Möchten Sie nicht hereinkommen?

Frau MEINERT. Oh, nein, danke. Wirklich nicht. Ich muss,

Sie schüttelt lächelnd und etwas verwirrt den Kopf.

Frau FRANKE. Dann gute Nacht auch, Frau Meinert.

Frau Meinert ab.

Frau Franke arbeitet still weiter. Beide Eheleute schweigen.

Herr FRANKE. Sie kam nicht deshalb.

Frau FRANKE. Natürlich nicht. Eine lächerliche Ausrede.

Herr FRANKE. Sie kam, weil sie alleine ist.

Frau Franke schaut verblüfft auf. Plötzlich verhärtet sich ihr Gesicht.

Frau FRANKE. Um so alleine zu sein, wie ich es bin, hätte ich dich gar nicht heiraten müssen. Du siehst es.

Herr FRANKE. Du hättest sie wenigstens hereinbitten können.

Schweigen

Herr FRANKE. Du beklagst dich, dass du alleine bist. Warum hast du sie nicht rein gebeten?

Frau FRANKE. Ach, dazu bin ich also gut: mich mit den Schwierigkeiten älterer Frauen zu beschäftigen.

Sei ehrlich, du willst mich nur los sein. Du willst nur nicht beunruhigt werden von mir. Du willst endlich deine lächerlichen lateinischen Sätze wieder sehen.

Bitte, ich störe dich nicht mehr. Arbeite doch.

Schweigen. Sie stickt verbissen weiter.

Er sieht sie an. Langsam verschließt sich auch sein Gesicht wieder und er beginnt erneut, zu korrigieren.

 

Vorhang

 

5. Szene

 

 

Noch während der Vorhang geschlossen ist, hört man die Tonbandstimme von Manfred Thomas.

Manfred THOMAS. Ganz oben wohnt ein alter Mann. Ich weiß nicht mal, wie er heißt. Ein bisschen schrullig, aber eigentlich noch ganz rüstig. Ich habe mal ein paar Wort mit ihm auf der Treppe gewechselt. Ein netter Mensch, soweit ich das beurteilen kann.

 

relativ dunkles Zimmer, etwas verwahrlost. Die Vorhänge sind ein Stück abgerissen, es gibt Spinnweben, ums Waschbecken herum ist es dreckig, es steht unabgewaschenes Geschirr herum.

Eine Stehlampe in der Mitte des Zimmers wirft einen größeren Lichtkegel. Im Halbschatten steht ein Katzenkorb, aus dem eine Decke heraushängt.

Her Schneider ist ein großer, etwas gekrümmter alter Mann. Sein Haar ist schütter und ungepflegt. Seine Kleidung passt in das Zimmer: verwahrlost aber man sieht überall die Mühe, es nicht zu sein. Sein Hemd hängt hinten aus der Hose heraus, seine unmoderne Hose ist abgewetzt, seine Latschen sind ausgetreten.

Sein Gesicht ist greisenhaft aber nicht senil. Um seine Augen spielt ein leises gütig-mildes Lächeln. Seine Stimme ist leicht zitterig aber ruhig und weich.

Herr Schneider räumt ungeschickt Geschirr vom Tisch und häuft es zu dem anderen Geschirr am Abwasch.

Herr SCHNEIDER. So, Minka, jetzt haben wir also mal wieder Abendbrot gegessen. Bist du satt, mh?

nach einer kleinen Weile

Jetzt ist gar kein Geschirr mehr sauber. Morgen muss ich abwaschen.

lacht leise in sich hinein.

Wenn die gute Maria uns sehen könnte, wie wir hier hausen. Sie würde die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Aber für uns zwei reicht es doch, oder?

er setzt sich in einen Sessel in der Nähe der Lampe.

Pause

Tja, jetzt ist wieder Abend. Jetzt haben wir Zeit, Minka. Soviel Zeit.

Pause

Weißt du, wenn ich früher einmal so viel Zeit gehabt hätte, wie ich sie heute habe, ich wäre vor Langweile gestorben. Was man alles zu tun hat so im Leben. Aber heute haben wir eben Zeit, nicht wahr Minka?

Die da draußen haben nie Zeit. Wenn ich deine Milch hole im Geschäft an der Ecke, geht alles ganz schnell: an der Kasse stelle ich mein Körbchen hin und schon hat die Maschine die Summe ausgerechnet, ich zahle und kann gehen. Sie stehen eben keine Sekunde still da draußen.

Aber wenn man alt ist, dann hat man es nicht mehr eilig. Du wirst das auch längst wissen, nicht Minka?

Pause

Was sollte ich nur machen, wenn ich dich nicht hätte, Minka? Wir passen zusammen wir zwei, was? Wir sind beide keine Prachtexemplare mehr. Die Welt hat kein Interesse mehr an uns. Und sie hat Recht. Es gibt so viele wichtige Dinge. Sie fahren heute zum Mond, weißt du?! Wenn ich heute ein junger Mann wäre, dann führe ich sicher auch zum Mond. So ist der Lauf der Dinge, Minka, man muss sich damit abfinden. Die Welt muss sich um die wichtigen Dinge kümmern. Man darf ihr das nicht übel nehmen, Minka.

Schweigen

Vor 50 Jahren, Minka, da hättest du mich mal sehen sollen! Damals hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich noch einmal in einem Zimmer sitzen würde und Konversation mit einer alten Katze triebe. – Sei nicht böse Minka, aber junge Leute denken eben so. Damals war ich gerade richtig im Leben angekommen. Ich war mit meinem Studium fertig und hatte mich in meinem Beruf zurechtgekrabbelt – und dann hatte ich auch die Maria gerade geheiratet. Oh, es war alles so glücklich! Ich hatte alles erreicht, was ich erhofft hatte und vor mir lag das Leben. Damals konnte es auch mir nicht schnell genug gehen und Maria sagte immer, ich würde mich noch mal zu Tode schuften, ich solle endlich mal ausruhen.

Ist das nicht lustig, Minka? Und heute habe ich so viel Zeit!

Pause

Es war schön, das Leben! Das kannst du mir wirklich glauben. Ich habe ganz schön was geschafft in dieser alten Welt. Aber heute hat sie mich eben vergessen. Sie ist undankbar, weißt du, sie hat einfach keine Zeit für so was. Sie muss selber jung bleiben, weil noch so viele Menschen kommen, die leben wollen.

Und wir können uns ausruhen- und eigentlich ist es auch ganz schön, das Ausruhen, findest du nicht Minka?

Pause

Möchte nicht wissen, was die Leute sagen würden, wenn sie hörten, wie ich mich mit dir unterhalte. Er ist verrückt, würden sie sagen (spielt den Empörten). Bin ich etwa verrückt, Minka? (lächelt) Ja, vielleicht ein bisschen. Das kommt so mit dem Alter. Aber es stört dich doch nicht etwa, Minka?

Mit irgendeinem muss ich mich ja unterhalten. Früher habe ich ja immer mit Maria reden können. Sie verstand zwar zum Schluss nicht mehr, was ich sagte und geantwortet hat sie nur noch selten und dann immer etwas völlig Unpassendes. Aber das war nicht so schlimm, weißt du, ich kannte sie ja so lange und da war es schon fast egal, ob sie mich noch hörte. Sie war eben da. Und das war immer gut so. Und sie ist eigentlich immer noch da, denn ich muss immer noch an sie denken.

Er geht zum Fenster und sieht hinunter.

Nun ist sie tot.

Pause

Wenn ich tot bin, wird hier keiner mehr an mich denken – außer dir Minka, aber wir werden wohl zusammen sterben. (besorgt) Hast du Angst Minka? Hab keine Angst. Das Sterben ist gar nicht so schlimm. Das ist wie das Geborenwerden, nur umgekehrt. Man merkt es nicht wirklich.

Pause

Nur dass hier keiner an einen denken wird …

Da gehen sie: ein junger Mann mit einem Kind and er Hand, ein Paar, zwei junge Mädchen, die lachen … sie gehen alle vorüber. Sie haben keine Ahnung, dass es Menschen gibt, die einsam sind und alt. Sie wollen es gar nicht wissen. Sie leben und sind glücklich und sie wollen es nicht wissen, dass es andere gibt, die weniger glücklich sind.

Er schrickt zusammen und dreht sich zur Katze hin.

Hast du gehört, was ich da für einen Unsinn gesagt habe, Minka? Glaube es nicht. Ich bin dumm, weißt du, dumm und böse. Es kam so über mich, ich weiß auch nicht. Wir sind doch überhaupt nicht unglücklich, wir zwei?! Und es ist undankbar und unsinnig, die da draußen zu beneiden. Und sie sind auch gar nicht alle glücklich. Vielleicht Minka sind wir zwei sogar die Glücklichsten in der ganzen Stadt.

Er ist bewegt, geht zum Korb, streichelt die Katze eine Zeit lang, setzt sich dann wieder in den Sessel.

Weißt du, dass das Frau von neben an traurig ist? Sie ist so jung, Minka. Aber als ich heute früh die Treppe rauf kam, da konnte ich sie weinen hören. Was glaubst du, was sie hat? Es ist schrecklich, wenn junge Menschen unglücklich sind!

Pause

Was sie nur hat! Ich sehe sie ja so selten. Immer nur mal im Hausflur. Dann grüßt sie hastig und geht schnell vorbei.

Pause

Was meinst du Minka, ob man ihr irgendwie helfen könnte?

bleibt nachdenklich sitzen.

 

 

Vorhang.

 

 

 

 

6. Szene

 

 

Noch während der Vorhang geschlossen ist, hört man die Tonbandstimme von Manfred Thomas.

Manfred THOMAS. Oben ist übrigens auch noch eine Studentenbude. Da wohnt eine Medizinerin, glaub ich. So’n ganz nettes Mädchen aber ein bisschen unnahbar. Mit mir hat sie noch nie gesprochen. Na ja, man sieht sich halt auch selten im Haus.

 

 

einigermaßen hübsche Studentenbude, etwas unordentlich. An der Rückwand des Zimmers steht ein Schreibtisch.

Birgit Leutmann sitzt daran, mit dem Rücken zum Publikum und arbeitet.

Bis auf die Schreibtischlampe und links eine Spiegelleuchte ist der Raum dunkel.

Birgit. Leutmann blickt auf, greift nach einem Buch, das neben ihr lag und liest halblaut (aber verstehbar) mit etwas theatralisch düsterer Stimme-

 

Birgit LEUTMANN. Mittwoch, den 14.11. Manchmal meine ich, es geht einfach nicht mehr. Ich sitze im Hörsaal und ertrage es nicht. Diese glatten Gesichter um mich herum, die nicht sehen, was ich sehe. Ich habe Angst, nichts als Angst. Aber sie lachen und sprechen von den belanglosesten Dingen. Ich frage. Aber keiner von ihnen hört mich. Als Antwort erzählen sie von ihrer kleinen, gesunden Welt. Ich möchte sie verachten. Aber ich beneide sie. Ich möchte sein wie sie, so leicht und unbewusst wie Kinder oder Tiere, so selbstverständlich und sicher, als hätten sie die Welt gepachtet bis an ihr Ende.

Aber ich bin anders. Immer anders. Ich stolpere, ich, die ich fliegen möchte, stolpere über mich selber, über mein Dasein und über mein Sosein. Die anderen sind eben zufrieden, wenn sie nur laufen können.

Angela sagte gestern zu mir, ich kleide mich zu blass, zu wenig sexy, ich müsse doch mal was aus mir machen. Sie wäre froh, wenn sie so aussähe wie ich.

Was wollen die von mir? Ich hasse es, dieses gezielte mich anpreisen, mich zu Markte tragen, das Spekulieren und Jonglieren mit meinen Möglichkeiten.

Ich verzichte auf so ein Leben. Ich verzichte auf diese langweilige, armselige Welt voller Dreck und Lächerlichkeiten. Und auf das Herumirren ohne je anzukommen – was sie Leben nennen. Sie freuen sich dass sie leben. Und verzichte.

Pause

Ja, ich bin unzufrieden, undankbar, unklug dazu – aber ich weigere mich dennoch, ich muss mich einfach weigern. Sie verstehen das alle nicht, die, die sich meine Freunde nennen.

„Ich will kein Fisch sein, sagte der Fisch und ertrank“, meint eich neulich zu Angela und Uwe. Sie lachten. „An deiner Stelle würde ich lieber schwimmen. Rotbarsch schmeckt doch auch ganz gut“ mokierte sich Uwe. Ich habe mich geärgert, weil sie meine Lage amüsant fanden. „Nein, da will ich lieber ertrinken“, habe ich kalt geantwortet. Sie hörten auf zu lachen und sahen mich überrascht und nachdenklich an. „Du bist einfach zu stolz!“ stellte Angela fest. Und es klang in meinen Ohren wie ein Urteil. Es war, als hätten sie plötzlich Angst vor mir. Ich könnte heulen.

 

Pause. veränderte, erschlaffte Stimme.

Das war gestern.

Lange geht es nicht mehr so weiter. Ich bin müde. Ich kann nicht mehr.

Pause

Und jetzt? (sieht sich um)

Ach ja, der Brief.

Sie greift danach, zögert aber dann, mit dem Brieföffner in der Hand

Birgit LEUTMANN. Man brennt darauf, Post zu kriegen. Aber jetzt halte ich diesen Brief in der Hand und wünschte, ich bräuchte ihn nicht zu öffnen. Was wird schon drin stehen? Gut gemeinte Worte aus einer anderen Welt, vor Tagen geschrieben, ein wenig klappernd vor Hohlheit.

Und danach ist es leerer um mich als vorher. Sie hat mir sicher geschrieben, um mir eine Freude zu machen, Aber sie steht im abfahrenden Zug. Während sie mir zuwinkt entfernt sie sich immer mehr von mir und meinem Leben. Und lässt mich zurück.

sie reißt unwillig den Brief auf, liest.

Birgit LEUTMANN liest mit zurückhaltender Stimme eilig vor. Im ersten Teil verrät ihre Stimme Neid und Bitterkeit. Im Abschnitt über die Liebe klingen Sehnsucht und Schmerz an.

Meine Liebe. 23.30 Uhr. Du siehst, es ist schon reichlich spät. Aber mein Tagesplan ist mit Vorlesungen und Paukereien so voll gelegt, das ich zu menschenwürdigen Zeiten kaum mehr zum Briefe schreiben komme. Was machen deine Studien? Du schreibst in letzter Zeit so wenig und so seltsam abgerissen. (die Stimme von Birgit Leutmann verfinstert sich).

Ansonsten geht es mir aber blendend. Neulich sonntags waren wir tanzen, drei Jungens und ich. Es war höchst amüsant. Der eine hat mir ein Kompliment wegen meiner angeblichen Musikalität gemacht. Ich müsste doch auch wunderbar singen können! Ist das nicht süß!? Ich habe es allerdings vorgezogen, keine Kostprobe meiner Primadonnastimme zu geben. Wir sind erst im Morgengrauen zurückgekommen. Wirklich eine nette Gesellschaft. Das richtige zum Ausspannen!

Neulich war ich übrigens mit dem Hund meiner Wirtin ganz alleine im Wald unterwegs. Ist der Herbst bei euch auch so schön? Ich habe das sehr nötig gehabt, wieder mal alleine zu sein …

Denn, und jetzt kommt die Hauptsache, das, was mir eigentlich von Anfang an auf der Zunge brennt, was mein ganzes Leben in einem anderen Licht erscheinen lässt: Ich weiß jetzt, dass ich Peter liebe. Du hattest also Recht. Du verstehst sicher, dass ich jetzt nicht s mehr darüber schreiben kann. Es ist zu überwältigend, zu umwerfend und zu schön. Du wirst es sicher verstehen. Aber es ist auch schwer. Es gibt so viele Schwierigkeiten und Sorgen. Trotzdem fühle ich mich geborgen in unserer Liebe.

Pause, veränderte Stimme

Da fährt sie hin, weg von mir, in ihre Welt. Ich wusste es ja.

lauter

Freu dich mit mir und wünsche uns Glück – wir können es gebrauchen!

In Freundschaft.  Deine Gisela

Pause, veränderte Stimme

Du verlangst etwas viel meine Liebe! Natürlich, es ist gut so. Für sie. Sie musste ja schließlich lieben. Was wäre sie ohne Liebe gewesen? Sie.

Aber ich, ich glaube nicht daran, ich habe keine Illusionen.

Pause, sehr hart

Aber du brauchst dir wirklich nichts einzubilden auf deine Illusionslosigkeit! Auf deinen Pessimismus und deine Weltverachtung.

sie wendet sich langsam voll ans Publikum. Ihre Stimme klingt jetzt fast flehend.

Denn du weißt sehr genau, dass sie alle im Recht sind mit ihrem Ja zum Leben, mit ihrem sanften, freundlichen Ja zu allen Dingen.

Nur du bist zu stolz, das anzunehmen, was dir gegeben wurde. Es reicht dir nicht. Und deine Hände bleiben leer. Leer, siehst du (sie starrt ihre Hände an). Und du kannst damit nur noch zerstören – dich zerstören. Denn die Welt hat keine Angst vor deiner ohnmächtigen Wut. Auch sie weiß es, auch sie: dass die anderen, die Sanfteren stärker sind, weil sie Ja sagen.

Sie geht langsam auf den Spiegel zu. Sie sieht sich einige Sekunden an.

Ich hasse mich.

Sie löscht das Licht und geht ans Fenster.

Ich habe mich selbst eingeschlossen in meine Person, in meine Lächerlichkeiten, Ich sitze geizig auf der Truhe meiner armseligen Schätze – und verhungere. Ich kreise nur um mich und in allen Spiegeln grinst mir meine Maske entgegen, meine geliebte Hölle mein trauriges, verfluchtes Ich.

Und hinaus kann ich nicht. Ich habe abgeschlossen und den Schlüssel fortgeworfen – aus Angst, dass je jemand hineinkommen könnte.

Pause

Da stehe ich nun und weil ich keinen Grund finde, weshalb ich mich lieben könne, beginne ich mich, zu hassen.

Pause

Und wenn ich meinen Stolz tot gehasst habe, sitze ich hilflos vor der freundlichen Welt und weine:

Weil ich mich nicht annehmen will.

Weil ich nicht an die Liebe glaube.

Weil ich so hart bin. Weil ich so gern zu den einfachen, den Sanften gehören würde.

Weil ich so gerne lieben würde; mich ganz hingeben, alle Türen aufschließen und alle hereinlassen. Weil ich so gerne daran glauben würde, dass …

Sie unterbricht sich, sieht erschrocken zur Tür. Ihr Gesicht verhärtet sich wieder.

Sie steht eine Zeit ratlos mitten im Raum.

Aber mein Stolz hat ein zu großes Regenerierungsvermögen.

Sie zuckt die Achseln und geht zurück an ihren Schreibtisch und beginnt zu arbeiten.

Plötzlich legt sie den Kopf auf die Arme und man kann vermuten, dass sie weint.

 

Vorhang

 

II. Akt

 

 

Hausflur, Treppenabsatz, rechts und links je zwei Türen, durch deren Spalten Licht dringt. An der Wand hängt ein Stromzähler..

Von oben rechts kommt eine Treppe und geht nach unten rechts weiter. Die obere Treppe ist nur halb sichtbar.

Der Flur ist indirekt beleuchtet.

Plötzlich geht das Licht aus. Es verschwindet im Hausflur und aus den Türspalten. Ein, zwei Sekunden ist es absolut still. Dann hört man Stimmen aus der linken Wohnung.

 

Frau FRANKE. Na, oh!

Herr FRANKE. So was Dummes! Mitten in der Korrektur!

Frau FRANKE. Ob es ein Kurzschluss ist?

Herr FRANKE. Ich werde mal nachsehen.

man hört Stuhlrücken, einen Stoss

Herr FRANKE. Au! Man findet sich ohne Licht gar nicht zurecht. Wo ist denn die Tür, verdammt noch mal?

Frau FRANKE. Ich seh’ mal nach, ob wir Kerzen haben.

Man hört Geräusche von anderen Stimmen, Schritte, das Öffnen von Schubladen.

Inzwischen hat sich die rechte Tür geöffnet und Frau Meinert ist zögernd in den Flur getreten. Unsicher und sich an der Wand lang tastend hat sie den anderen Stimmen gelauscht.  Sie spricht vor sich hin.

Frau MEINERT. Ich bin richtig froh, dass das Licht ausgegangen ist. In der Dunkelheit kann man alles leichter ertragen. Da ist jeder gleich.

Die linke Tür geht auf. Herr Franke kommt heraus. Aus dem Hintergrund:

Frau FRANKE. Hier Theo, die Kerze.

Frau Franke trägt eine brennende Kerze und reicht sie ihrem Mann, der bereits vor dem Sicherungskastenr steht.

Herr FRANKE. Welches ist eigentlich unser Zähler?

Frau MEINERT. Der rechte Herr Franke.

Frau FRANKE. Ach Frau Meinert. Sie sind auch schon hier? Ist das nicht meine dumme Geschichte? Mein Mann sieht gerade nach den Sicherungen.

Frau MEINERT. Oh, ich hatte gerade so wie so nichts zu tun.

Alle drei stehen jetzt herum und probieren die Sicherungen aus.

Stimmen von unten:

Frau REINERS. Nein, Eduard. Im Hausflur ist auch kein Licht.

Pause

Ach, das schadet gar nichts, dass der Fernseher mall still ist. Ich kann dieses ewige Geflimmer schon nicht mehr sehen.

Herr REINERS. Haben wir Kerzen?

Frau REINERS. In der Küchenschublade sind Kerzenreste, Eduard. Nimm nicht die guten Leuchterkerzen!

Pause. Gebrummel von Herrn Reiners.

Frau FRANKE. Frau Reiners?

Frau REINERS. (noch von unten) Ja. Ist bei Ihnen auch das Licht aus?

Frau FRANKE. Ja, es scheint im ganzen Haus weg zu sein.

Frau REINERS. Was ist mit den Sicherungen?

Frau FRANKE. Mein Mann schaut gerade nach.

Herr REINERS. (erscheint seinerseits mit einer Kerze an der unteren Treppe). Lassen Sie mich mal sehen!

Seine Frau folgt langsam.

Herr REINERS. Ne, da ist alles in Ordnung. Da ist hier nichts zu machen. Der Strom wird auf der ganzen Straße weg sein. Wahrscheinlich kommt er bald wieder.

Pause

(in die Runde) Ach, guten Abend zusammen.

allgemeines Gemurmel

Herr REINERS. So was Dummes. Ich habe mir gerade einen Krimi angesehen. Mitten drin: aus! So was ist Tücke des Schicksals.

Frau REINERS. Das tut dir mal ganz gut, Eduard. Immer nur dieses Fernsehen. Du tust ja gar nichts anderes mehr. Ist ihr Gatte auch so schrecklich fernsehsüchtig, Frau Franke?

Frau FRANKE. Mein Mann ist abends fast immer mit der Korrektur irgendwelcher Schülerhefte beschäftigt.

Frau REINERS. Ach so …

Pause

Herr FRANKE. Man sollte mal die Stadtwerke anrufen

hastige Bewegung zu den Wohnungstüren,

Pause

Frau FRANKE. Das Telefon geht auch nicht.

ratloses Schweigen

Frau FRANKE. Hoffentlich werden die Kinder nicht wach!

Frau MEINERT. Oh, wie geht es denn den Kleinen?

Frau FRANKE. Danke gut. Bernhard bekommt jetzt seine Zähne. Aber so was hat ja jeder von uns mal durchgemacht …

Pause

Manfred THOMAS. (von unten) Hallo

Frau REINERS. Ja, Herr Thomas? Das Licht ist im ganzen Haus weg, wahrscheinlich in der ganzen Gegend. Wir können nur warten.

Manfred THOMAS. So was Blödes! Ich war gerade mitten in der Arbeit.

Herr FRANKE. Ja, ja, die jungen Leute scheinen heute nichts als Arbeiten im Kopf zu haben. (an Herrn Reiners gewandt) Merken Sie eigentlich viel von Ihrem Studenten, Herr Reiners?

Herr REINERS. Er hat ja seinen separaten Eingang. Wir kriegen kaum etwas von ihm mit. Er hat selten Besuch, kommt nur manchmal sehr spät nach Hause. Aber uns soll’s recht sein. Er zahlt seine Miete pünktlich.

Manfred Thomas tritt auf.

Frau REINERS. Können Sie nicht bei Kerzenlicht arbeiten, Herr Thomas?

Manfred THOMAS. Ich hab keine Kerzen.

Frau FRANKE. Warten Sie, ich gebe Ihnen eine. ( ab).

Manfred THOMAS. Vielen Dank

Er bleibt etwas abseits stehen. Alle warten auf die Rückkehr von Frau Reiners.

Plötzlich hört man oben eine Tür gehen. Es folgen langsame, unsichere Schritte, die vom Aufschlagen eines Stockes begleitet werden.

Herr SCHNEIDER. (von oben) Ist da unten jemand?

Frau REINERS. Ach, Herr Schneider?

Herr SCHNEIDER. Es ist so dunkel. Meiner Katze macht das nichts aus, aber ich sehe gar nichts mehr.

Pause

Frau REINERS. Der Strom ist ausgefallen. Kommen Sie doch zu uns herunter. Dann sind sie nicht so alleine bei dieser Finsternis.

Herr SCHNEIDER. Ja, das ist gut. Warte Minka, ich bin gleich wieder oben.

Wieder hört man tastende Schritte.

Frau MEINERT. Passen Sie auf, dass Sie nicht fallen, Herr Schneider. Die Treppen sind –

Man hört einen kleinen Schrei, dann einen Aufprall. Der Stock poltert alleine ganz bis vor die Füße der Wartenden.

lähmende Stille. alle stehen erstarrt.

Frau REINERS. Oh Gott!

Frau FRANKE. Kommt aus der Tür Was ist passiert?

Herr FRANKE. Herr Schneider?! Stille Herr Schneider, haben Sie sich verletzt? Stille

Gemurmel bricht aus, Panik

Leuchte mal

Meine Güte

Ich hab’s doch gesagt!

Fallen sie nicht auch noch!

Mit drei Kerzen beleuchten sie Herrn Schneider, der auf der oberen Treppe liegt, mit dem Kopf nach unten, die Arme hängen schlaff herunter.

betretenes Schweigen.

Herr REINERS. Wir müssen ihn erst mal anders legen. Packen sie mit an, junger Mann!

sie versuchen, ihn aufzuheben.

Herr FRANKE. Nein, bitte, um Gottes Willen, wir dürften ihn nicht aufnehmen. Wer weiß, was er sich getan hat.

betretenes Schweigen

Frau MEINERT. Was sollen wir jetzt tun?

Manfred Thomas beugt sich über Herrn Schneider und untersucht Herz und Augen.

Manfred Thomas. Er ist nur ohnmächtig.

Seufzer der Erleichterung.

Frau REINERS. Wir müssen einen Krankenwagen besorgen.

Frau FRANKE. Ich rufe das Krankenhaus – ach das Telefon geht ja auch nicht.

Frau REINERS. So ein Unglückstag! Alles kommt zusammen. Ich hatte das heute gleich im Gefühl: es würde noch was passieren.

Frau MEINERT. Ja es ist schrecklich! Es liegt etwas in der Luft. Aber der Mann kann doch unmöglich so liegen bleiben. Wir müssen doch etwas tun!

Herr FRANKE. Ja was denn?

Frau MEINERT. Irgendwas. Wir stehen hier nur rum …

Herr FRANKE. Wer weiß, was Herr Schneider hat …

Frau MEINERT. Mein Onkel hat sich das Genick gebrochen, als  er einmal im Dunklen die Treppe runter fiel.

Herr REINERS. Aber meine Herrschaften, doch jetzt bitte keine Panik! Herr Schneider lebt doch. Vielleicht hat er sich nur ein Bein gebrochen. Es hat doch keinen Sinn, jetzt durch zu drehen.

Manfred Thomas. Ich werde versuchen, irgendwo anzurufen ab.

Herr FRANKE. Ja, junger Mann, tun sie das, aber beeilen Sie sich!

Frau MEINERT. Es geht um Leben und Tod!

Herr FRANKE. Aber Frau Meinert! Beruhigen Sie sich doch um Gottes Willen.

Frau REINERS. An der Ecke in der Gaststätte können sie bestimmt anrufen.

Manfred Thomas. Ja, ja (von unten)

längeres, bedrücktes Schweigen. Alle stehen hilflos um den alten Mann herum.

Frau REINERS. Ob man nicht wenigstens ein Kissen .. Ich meine, wer weiß, wann der Krankenwagen kommt.

Herr FRANKE. Vielleicht legen wir ihn doch vorsichtig auf den Boden

keiner rührt sich.

Frau REINERS. Edurad, tu doch was! Es ist schrecklich! Du musst was tun!

Herr FRANKE. Liebe Frau Reiners. Wir müssen jetzt abwarten. Beruhigen sie sich doch.

Herr REINERS. Manfred Thomas ruft ja an. Das ist das Einzige, was wir jetzt tun können.

Pause

Frau Reiners bricht in Tränen aus.

Herr REINERS. Bitte Anita! Wir können jetzt keine Szene gebrauchen Nimm dich doch um Himmelswillen zusammen!

Frau MEINERT. Wir hätten ihm helfen sollen, als er die Treppe herunter kam.

Pause

Stimme von oben, schüchtern und verstört

Birgit LEUTMANN. Entschuldigen Sie bitte. Ist etwas passiert?

Frau FRANKE. Haben Sie denn nicht gehört, Frau Leutmann? Herr Schneider ist im Dunklen die Treppe heruntergestürzt.

Birgit LEUTMANN. Oh. Ich hörte einen Schlag. Aber ich wusste nicht…(sie kommt die Treppe herunter) Ist ihm was passiert?

keiner antwortet. Birgit eutmann sieht Herrn Schneider

Oh Gott und beugt sich nieder zu ihm.

Plötzlich verändert sie sich völlig, ihr Gesicht wird lebhaft, sicher und ernst. Sie prüft, ob er lebt und richtet sich dann halb auf.

Wir müssen ihn vorsichtig flach legen, ganz vorsichtig. So kann er nicht liegen bleiben.

Keiner rührt sich.

Frau FRANKE. Sind sie sicher, dass das Richtig ist? Wer weiß, was Herr Schneider sich zugezogen hat.

Birgit LEUTMANN. Ich bin Medizinstudentin im 8. Semester. Bitte glauben Sie mir. So kann er unmöglich liegen bleiben. Holen Sie eine Decke und helfen Sie mir.

Die anderen kommen unsicher näher.

Aber ganz vorsichtig. Er darf seine Lage nicht wirklich verändern. Nur dass er eben liegen kann.

Frau Franke und Frau Reiners bringen Decken und breiten sie aus. Die Männer tragen gemeinsam mit Birgit Leutmann den alten Mann darauf.

Herr FRANKE. Achtung!

Birgit LEUTMANN. Können Sie vielleicht …Ja hierher …

Herr REINERS. So …

Alle arbeiten intensiv.

Als alles fertig ist stehen sie alle wieder so hilflos da wie vorher.

Pause

Frau MEINERT. Was meinen Sie hat er sich getan?

Birgit LEUTMANN. Vielleicht eine Gehirnerschütterung. Vielleicht Knochenbrüche. Alte Leute brechen die Knochen unheimlich leicht.

Manfred THOMAS. (erscheint eilig an der unteren Treppe) Der Krankenwagen wird gleich hier sein. Wie geht es ihm?

Als er die veränderte Situation sieht, bleibt er stehen und sieht die anderen an.

Frau FRANKE. Frau Leutmann meinte, wir sollten ihn flach hinlegen. Sie studiert Medizin.

Manfred Thomas und Birgit Leutmann schauen sich an, er skeptisch prüfend, sie unsicher.

Pause

Frau MEINERT. Wann soll der Krankenwagen kommen?

Manfred THOMAS. Er kann jeden Moment hier sein.

Alle stehen ungeduldig herum, schauen zur Uhr etc.

Frau REINERS. Wissen Sie, ob Herr Schneider hier Verwandte hat?

Schweigen

Frau FRANKE. Offenbar lebte er ganz von der Außenwelt abgeschnitten.

Herr REINERS. Soll früher mal ein hohes Tier gewesen sein.

Frau FRANKE. So?

Frau MEINERT. Er muss zuletzt sehr alleine gewesen sein.

Pause

Hatte er nicht eine Katze?

Birgit LEUTMANN. Ja, ich konnte ihn manchmal mit ihr sprechen hören.

Frau REINERS. Ja tatsächlich, die Wände in diesem Hause  sind schrecklich dünn, man kann jedes Geräusch von nebenan hören. Wobei ich nichts gegen Sie sagen wollte, Herr Thomas. Ich habe noch nie einen so ruhigen Untermieter gehabt.

Manfred THOMAS. (für sich) Tatsächlich, ich sehe keine Veranlassung in dieser Welt Lärm zu machen.

Birgit Leutmann. sieht auf und starrt ihn an. Er bemerkt es.

Herr FRANKE. Wie bitte?

Manfred THOMAS. Ach …

Pause

Herr REINERS. (betont jugendlich) Wie gefällt es unserer Jugend auf der Universität? Als ich noch studierte, wissen Sie, da gings ziemlich rund. Das waren noch andere Zeiten. Da haben wir die Nächte durchgefeiert, die Nächte durch sage ich …

Birgit LEUTMANN. (mit leichter Ironie) Was gab es denn damals so zu feiern, Herr Reiners.

Manfred Thomas  sieht erstaunt auf.

Herr REINERS. (im gleichen Ton weiter) Ach Frau Leutmnann, da gabs doch immer einen Anlass. Die Jugend hat doch Phantasie. Haben Sie heute keine mehr?

Ich kann ihnen jedenfalls sagen, das war eine tolle Zeit damals. Wir hatten da einen, der konnte überhaupt nichts vertragen. So ein Kleiner mit ner Brille. Söhnchen, nannten wir ihn. Sie können sich nicht vorstellen, wie der immer …

Frau REINERS. Aber Edurad, ich finde es sehr unpassend, jetzt von solchen Dingen zu reden.

betretenes Schweigen

Frau MEINERT. Dass der Wagen immer noch nicht da ist!

Pause

Frau FRANKE. Was macht ihre Arbeit, Frau Meinert?

Frau MEINERT. Ach danke, ganz gut. Man tut was man kann.

Frau FRANKE. Seien sie nur froh, dass sie ihren Feierabend haben. Mein Mann arbeitet den ganzen Tag und noch die halbe Nacht.

Herr FRANKE. Na, na, so schlimm ist es ja nun auch wieder nicht. Es ist nur gerade jetzt diese Woche wegen der Konferenzen.

Pause

Frau REINERS. Ich habe Ihre Schwester lange nicht mehr gesehen, Frau Meinert.

Frau MEINERT. Meine Schwester ist mit ihrem Mann nach München verzogen.

Frau FRANKE. Sind sie da jetzt nicht sehr allein.

Frau Meinert antwortet nicht.

Herr REINERS. Was die Frauen ohne Beruf sich so vorstellen, was Frau Meinert? Wenn man den ganzen Tag im Büro gesessen hat, ist man froh, dass man bis zum nächsten Morgen keinen Menschen mehr zu sehen braucht. Ist es nicht so?

Frau MEINERT. (mit etwas zitternder Stimme) Ich würde gerne abends noch einpaar Worte mit einem lieben Menschen wechseln.

Frau FRANKE. Frau Meinert, die Männer verstehen so etwas einfach nicht, glauben Sie mir. Ich kann mit Theo abends auch kein vernünftiges Wort mehr sprechen

Herr Franke sieht seine Frau an.

Pause

Frau FRANKE. Jetzt stehen wir seit 20 Minuten hier herum im dunklen Hausflur.

Herr REINERS. Man sieht sich so selten im Haus.

Frau REINERS. Eigentlich schade, finden Sie nicht?

Frau FRANKE. Dazu musste offensichtlich erst der alte Mann die Treppe herunterstürzen.

alle sehen sich erinnernd auf Herrn Schneider

Frau MEINERT. Sind sie sicher, dass er … sie blickt ängstlich auf Birgit Leutmann. Birgit Leutmann beugt sich noch einmal nieder, fühlt den Puls.

Birgit LEUTMANN. Hoffentlich kommt der Krankenwagen bald.

Herr FRANKE. Können wir denn gar nichts für ihn tun?

Manfred THOMAS. Ich glaube, es ist besser, wir warten.

Frau FRANKE. Eigentlich eine Schande, dass wir uns nie um Herrn Schneider gekümmert haben, Theo. Jetzt wissen wir von ihm kaum mehr, als seinen Namen.

Herr REINERS. Haben Sie nicht mal etwas Kontakt mit ihm gehabt, Birgit Leutmann?

Frau REINERS. Wir meinen, weil sei doch neben ihm wohnen.

Birgit Leutmann schweigt.

Manfred THOMAS. Wir alle wissen nicht, wer neben uns wohnt.

Birgit Leutmann sieht Manfred Thomas flüchtig prüfend an.

betretenes Schweigen

Frau REINERS. In welches Krankenhaus soll er denn kommen, Manfred Thomas?

Manfred THOMAS. Ich nehme an, ins Marienhospital.

Frau FRANKE. Vielleicht könnten wir ihn dort mal besuchen?

Schweigen.

Ich meine ab und zu, weil er ja sonst niemanden hat.

Frau MEINERT. Ja, das wäre gut.

Sie lächelt, erleichtert, fast glücklich.

Herr REINERS. (freundlich) Und was macht die Schule, Herr Franke? Haben Sie sich da nicht einen undankbaren Beruf ausgesucht?

Herr FRANKE. (schmunzelt) Ja sie haben Recht. Es gibt kaum einen undankbareren Beruf. Aber er macht Freude. Wir haben jetzt z.B. da einen Fall in der Untersekunda. Der Bursche war bisher immer einer der Besten und jetzt hat er derart mit den Leistungen nachgelassen, dass es dem ganzen Kollegium auffällt. Und gestern Mittag habe ich mich mal kurz mit dem Jungen unterhalten ….

Frau FRANKE. Aber Theo, glaubst du, das interessiert hier jemanden?

Herr REINERS. Doch, doch, wirklich (eifrig aber nicht ganz überzeugend)

Herr FRANKE. (höflich zurückhaltend) Ja natürlich, verzeihen Sie. Man gerät so leicht ins Fachsimpeln. Entschuldigen Sie.

Er schweigt verärgert.

Pause

Herr REINERS.( holt sich Zigaretten aus der Wohnung) Möchte jemand rauchen?

Frau Reiners wirft empörte Blicke auf ihren Mann und Herrn Schneider.

Herr Franke nimmt dankend an, ebenso Frau Franke und Birgit Leutmann. Herr Franke gibt Feuer mit einer Kerze. Als Birgit Leutmann ihre Zigarette ansteckt, sieht Manfred Thomas sie intensiv an. Sie merkt es und ist verwirrt.

Man schaut zur Uhr. Unruhiges Hin- und Herwandern.

Frau FRANKE. Warum kommt der Wagen nicht?

Frau REINERS. Es ist schon gleich 10 Uhr.

Manfred THOMAS. Ich verstehe nicht, wieso er so lange braucht.

Pause

Alle merken, dass sie sich nichts mehr zu sagen haben.

unruhige Spannung

Plötzlich geht das Licht im Flur und in den Wohnungen an. Es ist auf einmal sehr hell.

Frau REINERS. Aha!

Herr FRANKE. Na, wer sagts denn!

Alle rekeln sich und rücken von einander ab, sehen plötzlich entspannt aus.

Herr Reiners wirft einen ungeduldigen Blick auf Herrn Schneider. Alles strebt jetzt auseinander. Man bleibt gelangweilt und ungeduldig da, sieht sich kaum noch an. Die Ehepaare wechseln leise und unlustig einige Worte. Nach etwa einer Minute hört man das Martinshorn von draußen und Bremsenquietschen.

Frau MEINERT. Da ist er!

Manfred Thomas springt die Treppe runter und öffnet. Man hört Stimmen. Oben nimmt man eine lässig gespannte, unpersönlich Haltung an. Man schart sich um Herrn Schneider.

SANITÄTER 1: Bitte meine Herrschaften, machen Sie Platz!

Alle treten zurück und bleiben im Hintergrund unschlüssig und abwartend stehen.

Die Sanitäter legen Herrn Schneider auf die Bahre.

Frau MEINERT. Hier, die Treppe ist er heruntergestürzt.

Frau REINERS. Der Strom war weg, es war stockdunkel.

Herr REINERS. Warum kommen Sie erst jetzt? Der Mann liegt hier schon 20 Minuten ohne Besinnung!

SANITÄTER 2: Wir haben jetzt keine Zeit für Debatten. Tut mir Leid. Vielleicht fährt jemand von Ihnen wegen der Formalitäten mit?

Manfred THOMAS. Ja ich.

Birgit Leutmann hat bei der Frage des Sanitäters auch aufgeblickt, als wolle sie sich melden, sinkt jetzt wieder in sich zurück.

Alle warten, bis die Trage und Manfred Thomas aus der Haustür sind. Dann entspannt sich ihre Haltung ganz. Frau MEINERT. sieht ängstlich au, Birgit Leutmann verstört.

Herr FRANKE. Na hoffentlich ist das noch mal gut gegangen.

Frau FRANKE. Manfred Thomas wird ja erfahren, was los ist.

Frau MEINERT. Er muss uns sagen, wo er liegt, wegen der Besuche ---

Frau REINERS. Ja natürlich (abwesend)

Frau FRANKE. Diese Woche wird es bei mir nicht klappen – wegen der Kinder.

Frau REINERS. Na ja …

Herr REINERS. So, komm Anita, es ist spät. Mein Krimi ist jetzt auch schon vorbei.

beide ab

Frau FRANKE. (im Hineingehen) Musst du noch lange arbeiten, Theo?

Herr FRANKE. Ja, leider, du kannst ja schon ins Bett gehen.

zu Frau Meinert, die noch unentschlossen vor ihrer Tür steht

Gute Nacht Frau Meinert. Lassen Sie sich die Sache nicht so zu Herzen gehen.

Frau MEINERT. (traurig) Gute Nacht

Frau Franke ab.

Frau Meinert steht unentschlossen auf der Treppe nach oben.

Frau MEINERT. Gute Nacht , Birgit LEUTMANN!

Birgit LEUTMANN. Gute Nacht.

Frau Meinert geht in ihre Wohnung.

Birgit Leutmann bleibt noch einige Sekunden starr stehen und geht dann langsam nach oben ab.

 

 

Vorhang

 

 

Pause

 

III.. Akt

 

1. Szene

 

Das gleiche Zimmer wie in I.,2

Frau Reiners sitzt am Tisch und näht. Herr Reiners kommt gerade aus dem Nebenraum, schließt die Tür, reckt sich.

Frau REINERS. Na?

Herr REINERS. Nix los. Der Krimi war gerade vorbei. Jetzt läuft irgend so ein albernes Stück.

Pause

Frau REINERS. Das war komisch, nicht?

Herr REINERS. Was? Ach eben? Ja.

Frau REINERS. Wie dumm wir uns alle angestellt haben!

Herr REINERS. (gekränkt) Meinst du, du warst besser gewesen? Beinah hätte ich mit ansehen dürfen, wie meine eigene Frau einen hysterischen Anfall kriegt.

Frau REINERS. Du hast mich aber auch angebrüllt, vor all den Leuten!

Pause (sanfter) Glaubst du, unser Sohn hätte auch gewusst, was zu tun gewesen wäre in so ner Situation?

Herr REINERS. Fängst du jetzt schon wieder von Rainer ? Ich glaube, ich gehe lieber ins Bett (zögert noch)

Frau REINERS. Was glaubst du, was er hat?

Herr REINERS. Wer?

Frau REINERS. Na, Herr Schneider.

Herr REINERS. Keine Ahnung. Du kannst ja morgen Herrn Thomas mal fragen.

Frau REINERS. Interessiert es dich denn nicht?

Herr REINERS. Na ja, was heißt hier interessieren. Hast du dich vielleicht früher um ihn gekümmert?

Frau REINERS. Nein. Aber ich weiß jetzt, dass es falsch war.

Herr REINERS. Na toll! Was soll das heißen, falsch? Hast du soviel Zeit? Menschenskinder, wir haben selber genug Sorgen.

Frau REINERS. (verächtlich) Ja, das Fernsehprogramm. Du hattest die ganze Zeit nur Angst, du könntest deinen Krimi verpassen.

Herr Reiners knurrt verächtlich zurück.

Pause

Frau REINERS. Ich möchte gerne mal wissen, was die anderen jetzt so reden.

Er reagiert nicht.

Frau REINERS. Es war so seltsam. 20 Minuten waren alle zusammen, als wäre das etwas ganz Selbstverständliches. Und jetzt sind alle wieder in ihren Zimmern, jeder für sich.

Sie wartet auf eine Antwort. Er reagiert nicht.

Herr REINERS. Na, ich geh jetzt schlafen.

Frau REINERS. (ärgerlich) Mit dir kann man sich aber auch nie unterhalten!

Schweigen

Frau REINERS. Warum sagst du nichts?

Herr REINERS. Was soll ich denn sagen? Ich bin müde.

Frau REINERS. Ja geh. Mit dir hab ich ja noch nie reden können. Stattdessen sitzt du immer nur vor der Glotze.

Pause

Frau REINERS. (verzweifelt, sehr laut) Ihr lasst mich alle alleine – du und Rainer jetzt auch. Wozu war ich denn hier überhaupt gut?

Herr REINERS. Nimm dich doch bitte zusammen! Das schallt ja durchs ganze Haus!

Frau REINERS. Aber …Ach geh, geh nur …

Herr Reiners ab.

Frau REINERS. Geht doch, geht doch alle, wenn ihr wollt.

Sie bleibt noch eine Zeit reglos sitzen.

Und jetzt, was soll jetzt werden? Das kann doch unmöglich immer so weitergehen!

Sie steht auf und beginnt, das Zimmer aufzuräumen

Dafür habe ich doch nicht 20 Jahre lang für diese Familie gearbeitet, dass sie jetzt alle gehen.

Sie bleibt mitten im Raum stehen; kalt

Nein dafür nicht!

Herr Reiners kommt rein, offensichtlich belebt.

Herr REINERS. Weißt du, was mir da eben eingefallen ist? Wir wollten uns doch immer schon ein eigenes Haus bauen. Und jetzt, wo das Grundstück an der Buchenstraße……

Weißt du, als das vorhin passiert ist im Hausflur und als wir alle da so standen, da habe ich mir gedacht: Wir können eigentlich nicht mehr hier wohnen bleiben, in so einem Haus. Das entspricht einfach nicht mehr meiner Stellung. Wir sind das der Firma schuldig. Wirklich!

Frau Reiners reagiert nicht. Sie steht erstarrt da.

Herr REINERS. Und jetzt, wo der Junge aus dem Haus ist. Wir könnten ein gemütliches Leben haben, mit Garten und mit allem Komfort. Kein Mensch würde uns stören in unserem eigenen Haus. Endlich Ruhe und Frieden am Feierabend! Du hast das doch nun wirklich auch verdient …

Pause, sie reagiert nicht

Wie ist das eigentlich, möchtest du die Küche hinten heraus?

Frau REINERS. (kalt). Ich will dieses Haus nicht.

Herr REINERS. Aber warum denn nicht?

Frau REINERS. Es wäre eine Lüge, verstehst du? Ich kann das nicht mehr.

Sie geht, verzweifelt.

Herr REINERS. (hat sich hingesetzt, für sich) Jetzt bemühe ich mich, sie zu erheitern und dann das! Ach, man kann es ihr aber auch gar nicht recht machen. Und das Haus brauchen wir auf jeden Fall.

Er bleibt eine Weile nachdenklich sitzen.

Dass sie es einfach nicht begreifen will: Gott noch mal, wir sind doch keine Kinder mehr. Wir könnten aber noch so viel aus unserem Leben machen, jetzt, wo ich das Geld dazu habe …

Pause

Herrgott noch mal, ja sicher, unsere Ehe ist offenbar ziemlich im Eimer. Na und? Wo bitte schön ist das anders? Und wen geht das was an? Schließlich muss ich auch ein bisschen Rücksicht auf die Firma nehmen.

Er gießt sich einen Cognac ein.

 

Vorhang

 

2. Szene

 

Zimmer wie in I.3

Frau Meinert sitzt frontal zum Publikum im Sessel, in sich zusammengesunken, wie betäubt. Plötzlich wird sie lebhafter.

Frau MEINERT. Wie schnell das ging, eine kurze Minute und schon alles vorbei.

Pause

Es gab eben Augenblicke, da hatte ich alles vergessen, mich und mein ganzes Leben. Es gab Augenblicke, wo ich vergessen hatte, dass ich alleine bin. Wo ich glücklich war.

Ich habe mit ihnen gesprochen wie eine der ihren. Und sie haben mit mir gesprochen, als sprächen sie alle Tage mit mir.

Es tat so gut.

Pause; (böse, bitter)

Jetzt tropfen die Sekunden wieder schwerfällig und überdeutlich an meinen Zimmerwänden herunter.

Warum musste das Licht auch wieder angehen. Warum konnte es nicht dunkel bleiben?

Als das Licht wieder brannte, sahen sich alle fremd an und gingen auseinander.

Pause, sie überlegt

Mein Gott – und Herr Schneider?! Wie konnte ich überhaupt glücklich sein, wenn Herr Schneider vielleicht … Schrecklich!

Sie steht auf und geht zum Fenster.

Und wenn die anderen ihn alle nicht besuchen, ich werde es tun! Sie sagen es ja alle: Ich muss mehr aus mir rausgehen, auf die anderen zu gehen. Und wenn es nur ein alter Mann ist. (schüttelt ärgerlich ihren Kopf) „Nur?!“

Sie setzt sich wieder hin, nimmt das Buch, liest aber nicht wirklich, lässt das Buch wieder sinken.

„Sind Sie da jetzt nicht sehr alleine“, hat sie gesagt. Mein Gott, was hätte ich da wohl antworten sollten?

‚Ich bin nicht sehr alleine, Frau Franke. Ich bin ganz und gar schrecklich alleine, ganz grauenhaft alleine, verstehen Sie? Nein, Sie verstehen durchaus nicht. Sie haben das nie erlebt. Sie haben Ihren Mann, ihre Kinder, Bekannte, Verwandte. Bitte, stellen Sie sich nur eine Sekunde vor, wie das sein muss, alleine zu sein, den ganzen Tag am Wochenende in den eigenen vier Wänden, alleine nur mit sich selber. Jede Handbewegung nur für sich selber und niemand ist da, zu dem man auch nur sagen könnte „Ich bin allein.“ Können Sie sich das überhaupt vorstellen, Frau Franke?’

Pause, ermattet

Aber das sagt man natürlich nicht. Man nimmt Rücksicht auf ihre Nerven und ihren Geschmack.

Wenn ich mich am Samstag auf den Marktplatz stellen würde und meine Einsamkeit den anderen ins Gesicht schrie, sie würden nur entsetzt und eilig fortgehen, peinlich berührt und empfindlich verletzt – so, als wenn ich mich nackt ausgezogen hätte.

Das ist einfach nichts für ihren feinen Geschmack, das würde ja ihr blindes, sattes Weltbild infrage stellen. Sie haben einfach Angst, gestört zu werden.

Pause

Deshalb habe ich nicht geantwortet. Denn geholfen hätte mir keiner von denen.

Helfen müsste ich mir wohl selber – das hat Elke immer gesagt. Aber ich kann es nicht. Wie ein Käfer, der immer im Kreis läuft und den Ausgang nicht findet.

Pause

Und dennoch: Eben war es mal ganz anders, eben war es gut. Da hatten wir alle nur eine Sorge und da hatten alle kein Licht. Da war ich auf einmal nicht mehr anders als sie alle und auf einmal nicht mehr alleine.

Pause

Manchmal wünsche ich, es gäbe Krieg, damit ich eine von ihnen sein kann, oder ein Erdbeben, irgendeine furchtbare Katastrophe. Ich erschrecke vor solchen Gedanken. Sie würden mich verfluchen, wenn sie wüssten, was ich denke.

Pause

Es ist spät, aber meine Abende sind immer lang, morgen auch und nächstes Jahr. Ich darf nur nicht denken, sie werden immer lang sein. Ich darf nicht denken, es würde nicht doch noch einmal anders. Sonst kriege ich keine Luft mehr.

 

Vorhang

 

3. Szene

 

Das gleiche Zimmer wie in I, 4.

Herr Franke sitzt wieder am Schreibtisch. Er bemüht sich zu arbeiten, ist aber offensichtlich unkonzentriert.

In der Türöffnung steht halb verdeckt seine Frau. Er kann sie nicht sehen.

Herr FRANKE. Eine Fessel! Die Kinder sind eine Fessel für sie, hat sie gesagt.

Pause

So weit ist es also. Das ist also aus unserer großen Liebe geworden. Und meine Frau will nicht mehr mitspielen. Meine Frau?

Frau Franke tritt ins Zimmer.

Frau FRANKE. (vorsichtig) Theo?

Herr Franke schrickt zusammen und dreht sich zu ihr um.

Herr FRANKE. Was ist?

Frau FRANKE. Ich habe gehört, was du gesagt hast, Theo.

Herr FRANKE. Na und?

Frau FRANKE. Theo!

Herr Franke reagiert nicht.

So geht es nicht weiter, Theo. Wir müssen irgendwas ändern. Du siehst doch selbst, was aus unserer großen Liebe geworden ist. Wir können doch nicht …

Herr FRANKE. (unterbricht seine Frau hart und ironisch) Und jetzt bist du gekommen, eine große Versöhnungsszene herbeizuführen?

Frau FRANKE. (entsetzt) Ich bin gekommen, um mit dir zu reden.

Sie sehen sich fremd an.

Herr FRANKE. Bist du sicher, dass wir das noch können?

Frau FRANKE. Du kannst nur noch ironisch sein!

Herr FRANKE. Was willst du eigentlich von mir?

Herr FRANKE. Hör auf, Theo. Tu nicht so ahnungslos. Lass uns bitte jetzt mal ernsthaft reden. Bitte.

Herr FRANKE. Ich hab dir doch schon gesagt: Ich glaube nicht mehr, dass wir das noch können.

Frau FRANKE. Du willst es nicht.

Herr FRANKE. Dann fang doch an, wenn du unbedingt meinst, dass das jetzt sein muss, jetzt, kurz vor Mitternacht. (er zuckt die Achseln).

Pause

Herr FRANKE . Also was willst du. Was schlägst du vor?

Frau FRANKE. Nein, so kann ich das nicht. Das ist ein Verhör. Ich habe gedacht wir setzen uns zusammen wie früher …

Herr FRANKE. Du willst mit Gewalt etwas herbeizaubern, was einmal war. Es ist aber nicht mehr so. Begreif das doch einmal! Es tut mir Leid. Sehr Leid sogar. Aber es ist nun einmal so gekommen.

Frau FRANKE. Aber wenn du es doch auch bedauerst! Vielleicht – du müsstest nur einmal richtig zu hören, wenn ich mit dir rede. (Sie legt zärtlich ihren Arm auf seine Schulter)

Pause

Frau FRANKE. Theo, ich habe dir vorhin so harte Vorwürfe gemacht. Es war gemein von mir. Ich verstehe ja, dass dein Beruf dich sehr in Anspruch nimmt, aber …

Herr FRANKE. Aber?

Frau FRANKE. Aber es kommt ja gar nicht auf die Zeit an, die du für mich hast, sondern – ich habe einfach das Gefühl, ich nehme keinen Raum mehr in deinem Leben ein. Ich bin dir einfach nur zur Gewohnheit geworden. Das ist es.

Herr FRANKE. Du musst dich entscheiden. Soll dein Mann im Beruf Erfolg haben oder willst du einen Pantoffelhelden?

Frau FRANKE. Aber Theo, davon redet doch kein Mensch! Aber viele Männer haben einen wichtigen, anstrengenden und genauso zeitraubenden Beruf – und lieben trotzdem ihre Familien und ihre Frauen …

Herr FRANKE. Soll das heißen: Ich liebe dich nicht mehr?

Pause. Sie antwortet nicht.

Willst du jetzt von mir ein Liebesgeständnis und dann haben wir ein Happy End?

Pause

Herr FRANKE. (mit veränderter Stimme) Aber ich könnte es dir auch gar nicht sagen. Ich habe mich lange nicht mehr gefragt, ob ich dich liebe.

Sie lässt ihn los und geht einen Schritt von ihm weg.

Frau FRANKE. Ja, du hast dich nicht mehr danach gefragt, seit dem du sicher sein konntest, dass du mich hattest,  sicher hattest: als Mutter deiner Kinder, im Bett, am Herd, gut damals vielleicht auch in deinem Herzen.

Herr FRANKE. Du bist hart, Helga.

Pause

Aber du verlangst von mir Liebe, Interesse, Mühe um dich. Und du? Müsstest du nicht mehr Verständnis haben für meinen Beruf, wenn du mich noch lieben würdest.

Sie schweigt traurig.

Herr FRANKE. Sieh, so ist es nun mal mit uns beiden. Das ist nun vorbei, die große Liebe und so. So wird es wohl sein. Aber vielleicht können wir trotzdem ein gutes Leben haben, mit den Kindern zusammen. Es geht uns doch ganz gut, wir haben eine Menge netter Bekannter und …

Frau FRANKE. (unterbricht ihn, zitternd vor Wut) Nette Bekannte, gutes Auskommen, ich könnte dich hassen für solche Sprüche, wenn ich nicht genau wüsste, dass du lügst, dass du dir selber etwas vormachst. Aber ich weiß es doch genau: du wolltest auch ein anderes Leben. Das hier ist nicht das, was du erträumt hast, was wir erträumt haben. Und das weißt du so gut wie ich.

Pause

Ja, schon klar, du kannst jetzt einfach keine Störung gebrauchen. Und es hat ja bisher noch immer alles so weit geklappt.

(leiser)

Aber mit mir kannst du das nicht machen! Diese Vogelstraußpolitik. Ich mach da nicht mehr mit, hörst du. Du weißt genau, dass es nur an uns liegt, ob wir noch den Karren aus dem Dreck rausziehen oder nicht mehr. Ich lege keinen Wert auf ein Leben als Mutter und Hausmädchen bei gutem Auskommen mit einem Mann, der sich aus Mangel an Zeit und Interesse seit langem nicht mehr gefragt hat, ob er mich liebt. Ich will den Mann nicht verlieren, den ich geliebt habe, verstehst du? Ich will dich nicht eines Tages verachten müssen, Theo. Schon wegen der Kinder nicht.

Pause

Aber ich werde wegen der Kinder keine Komödie spielen.

Pause

Sie bricht plötzlich aus.

Siehst du denn gar nicht, wie unglücklich ich bin!?

Herr FRANKE. (erschrocken, beschwichtigend) Doch Helga.

Er will sie trösten, legt den Arm um sie. Sie stößt ihn von sich und sieht ihn bitter an.

Frau FRANKE. Nein, so einfach geht das nicht. So billig kommst du nicht weg. So leicht ist das nicht mehr zu lösen.

Pause. Beide stehen ratlos herum

Herr FRANKE. Aber was sollen wir denn machen? Was um Himmelswillen könnten wir denn noch tun?

Frau FRANKE. (ergreift seine Hand) Theo, erzähl mir von dem Jungen, das, was du vorhin im Flur erzählen wolltest, als ich dich unterbrochen habe!

Herr FRANKE. Was hat das denn jetzt mit uns zu tun?

Frau FRANKE. Ich wollte … Ich weiß doch überhaupt nichts von deinem Leben, von dem was dich bewegt. Ich möchte doch teilhaben, möchte dich verstehen.

Herr FRANKE. Bist du etwa eifersüchtig auf die Schule?

Frau FRANKE. Ach Theo! Willst du mich denn nicht verstehen? Du verlangst Verständnis für deinen Beruf und ich frage dich danach und du …

sie bricht ab, weil sie sieht,, dass er an etwas ganz anders denke

Herr FRANKE. Mensch Helga, da hast du mich an was ganz Wichtiges erinnert. Ich hatte doch Peterson versprochen, mich mal mit dem Vater des Jungen zu unterhalten. Peterson interessiert sich nämlich auch für den Fall, weißt du. Da muss ich morgen Mittag gleich mal versuchen, anzurufen (er holt seinen Terminkalender raus und notiert etwas).

Frau Franke hat völlig verständnislos und entgeistert zugehört und bricht jetzt  in Tränen aus.

Herr FRANKE. Was ist los. Was hab ich denn jetzt wieder falsch gemacht.

Frau FRANKE. Ach, lass es einfach. Es hat keinen Sinn.

Sie geht ab. Er sieht ihr erstaunt nach.

 

 

Vorhang.
4. Szene

 

Auf der Bühne ist es dunkel. Man erkennt undeutlich das Zimmer von Herrn Schneider, Alles sieht aus wie in Szene I.,5.

Allmählich erkennt man Birgit Leutmann, die am Boden hockt und die Katze streichelt. Sie spricht halblaut und sehr zärtlich

 

Birgit LEUTMANN. Arme, alte Katze, hab keine Angst. Er kommt bestimmt wieder! Kein Mensch hat an dich gedacht. Aber du kommst jetzt mit zu mir. Wir werden schon miteinander auskommen …

Pause

Arme Katze …

Aber er hatte wenigstens dich …

Die Tür öffnet sich zögernd. Das Licht geht grell an. Birgit Leutmann fährt erschrocken hoch und wendet sich zur Tür.

Manfred Thomas steht in der Tür. .

Manfred THOMAS. Oh, entschuldigen Sie bitte!

kleine Pause

Birgit LEUTMANN. (leise) Nein, warum? Ich bin nur wegen der Katze hier.

Manfred THOMAS. Ja, die Katze. Ich kam auch deshalb.

Sie sehen sich betroffen an.

Pause

Birgit LEUTMANN. Wie geht es ihm?

Manfred THOMAS. Schlecht. Er hat drei Rippen gebrochen und den rechten Oberschenkelhals. Und eine Gehirnerschütterung auch noch. In dem Alter eine verteufelte Sache.

Birgit LEUTMANN. Ja, es wird hart für ihn werden. Was haben die Ärzte gesagt?

Manfred THOMAS. Ich bin nicht ganz schlau daraus geworden. Aber es scheint, sie haben nicht all zu viel Hoffnung.

Birgit LEUTMANN. Der arme Mann.

Manfred THOMAS. Er hat hier sehr einsam gelebt.

(Pause; plötzlich betroffen) Weil er alt war, glaube ich, dass er einsam war und unglücklich.

Birgit LEUTMANN. Als wären nur alte Leute einsam. Sie haben immerhin die Vergangenheit. Er hatte eine Katze.

Sie schaut verlegen weg und beugt sich wieder über die Katze.

Manfred Thomas sieht sie an. Er möchte etwas sagen, kann aber nicht.

Manfred THOMAS. (gepresst) Was wird aus ihr?

Birgit LEUTMANN. (sieht auf) Mit wem?

Manfred THOMAS. Mit der Katze.

Birgit LEUTMANN. Ich weiß nicht. Ich hatte schon gedacht, ob ich sie zu mir rüber nehmen kann. Sie nimmt ja nicht so viel Zeit in Anspruch …

Manfred THOMAS. Ja, das wäre gut. …

Wenn Sie mal länger wegfahren müssen oder so, können Sie sie ruhig zu mir runter bringen. Ich meine, es würde mir nichts ausmachen.

Birgit LEUTMANN. (erhebt sich eilig) Sie können die Katze auch ganz nehmen, wenn Sie wollen. Mir liegt nichts daran. (Sie wendet sich ab)

Pause

Manfred THOMAS. Nein, ich glaube, sie ist besser bei Ihnen aufgehoben. Ich verstehe nicht davon, von Tieren und so.

Birgit LEUTMANN. (lächelt) Na gut. Ich hoffe, sie wird den Alten nicht zu sehr vermissen.

Pause

Manfred THOMAS. Ja, in Ordnung, dann ist ja alles soweit klar. Dann kann ich ja … Er bleibt stehen, sieht sie an, bis sie aufblickt)

Birgit LEUTMANN. (unsicher) Ach, was studieren Sie eigentlich?

Manfred THOMAS. Mathematik. Und Sie Medizin, nicht wahr?

Birgit LEUTMANN. Ja

Pause

Manfred THOMAS. Ist das nicht sehr schwer, die Leichen und die ganzen lateinischen Begriffe und so?

Birgit LEUTMANN. Auch, das ist nicht so schlimm. Das ist Gewohnheitssache. Nur … (sie unterbricht sich) ach …

Manfred THOMAS. Nur?

Birgit LEUTMANN. Ich verstehe nicht, warum ich das gerade Ihnen sagen will, aber ich weiß nicht mehr, ob es sich wirklich lohnt, Arzt zu werden.

Pause.

Manfred Thomas richtet aufmerksam und gespannt auf und wartet.

Birgit LEUTMANN. Glauben Sie denn, dass man seine Mühe daran verschwenden sollte, diese Menschheit zu erhalten, diesen degenerierten Haufen von Egoisten und Langweilern? Und glauben Sie, dass es sich lohnt, ein Leben zu retten, das selber keinen Wert darauf legt? Wozu?

Manfred THOMAS. Und warum wollen Sie die Katze pflegen?

Birgit Leutmann zuckt zusammen und schaut vor sich hin.

Manfred THOMAS. Aber Sie haben Recht: Ich frage mich auch oft, ob es sich wirklich lohnt, ob es sich lohnt, Maschinen zu erfinden, Daten zu errechnen, den Fortschritt ständig weiter voran zu treiben. Was machen die Menschen damit? Sie zerstören sich gegenseitig und sie zerstören die Welt, in der sie leben mit immer perfekteren Mitteln. Das ist ihr Fortschritt. Ich sehe darin kein Ziel für mich. Es ist mehr als sinnlos. Es ist überflüssig.

Birgit LEUTMANN. (Sie sieht ihn überrascht an) Warum sagen Sie das? Ich hatte immer geglaubt, Ihr wüsstet es! Ich habe immer gedacht, die anderen wüssten wenigstens, was … Warum bloß können auch Sie mir nicht sagen, dass es um die Menschheit lohnt? Dass es lohnt zu leben? Warum sagen Sie nicht einfach: Das Leben ist schön? Warum fragen auch Sie nach dem Warum?

Pause, überlegt

Man darf nicht nach dem Warum fragen, das ist es wahrscheinlich, man muss einfach leben, ohne zu fragen. So ist es doch? Das Leben wäre dann eine einzige Antwort.

Manfred THOMAS. Vielleicht. – Aber nein, was soll man mit einer Antwort, wenn man gar nicht gefragt hat? Man muss doch fragen, glaube ich.

Pause

Vielleicht muss man nur anders fragen. Vielleicht muss man fragen: „Wie“?

Birgit LEUTMANN. (Sie sieht ihn erstaunt an) Und Sie können das, fragen „Wie“ und dann leben?

Manfred THOMAS. Nein. Ich dachte nur gerade, man sollte vielleicht besser so fragen. Aber wahrscheinlich geht es doch auch nicht ohne Warum.

Pause

Manfred THOMAS. Weil Sie das da eben .. …Ich möchte Ihnen gerne erzählen, was Herr Schneider zu mir gesagt hat.

Birgit LEUTMANN. Sie haben noch mit ihm gesprochen?

Manfred THOMAS. Ja. Er kam im Krankenhaus zu Bewusstsein. Er wusste sofort und ganz klar, was los war, blieb aber sehr ruhig. Aber dann fiel ihm seine Katze ein und er geriet in Erregung. Und er wollte unbedingt mit jemandem aus dem Haus sprechen – wegen der Katze. Und da haben sie mich dann zu ihm gelassen. Er hat mich gefragt, ob sich jemand um seine Katze kümmern könnte. Am liebsten wäre es ihm, hat er gesagt, wenn Sie seine Katze nehmen würden.

Birgit LEUTMANN. (erstaunt) Ich?

Manfred THOMAS. Ja, Sie. Er hat auch gesagt warum. Ich wollte Ihnen das eigentlich nicht erzählen, aber jetzt, da Sie so wie so …

Birgit LEUTMANN. Was hat er gesagt?

Manfred THOMAS. (zögernd) Er meinte, Sie seinen sehr unglücklich. (Birgit Leutmann zuckt zusammen. Manfred Thomas spricht leise und vorsichtig weiter) Er dachte, seine Katze könnte Sie vielleicht trösten. Er habe Sie oft weinen gehört und …

Birgit Leutmann wendet sich ab und tritt ans Fenster und sieht hinaus. Manfred Thomas ist irritiert.

Manfred THOMAS. Ich hätte das nicht erzählen sollen! Entschuldigen Sie bitte. (Pause) Es war total taktlos von mir.

Birgit LEUTMANN. (hart, nüchtern) Er hat Recht. Machen Sie sich nichts draus. Warum sollten Sie es mir nicht sagen? (Sie wendet sich ihm zu und spricht mit sanfter Stimme weiter)Und warum eigentlich sollte ich mich schämen, dass ich traurig bin. Es ist doch wirklich nichts besonderes, unglücklich zu sein. (bitter) Aber ich schäme mich doch. Es ist einfach lächerlich.

Manfred THOMAS. Sie schämen sich vor mir, weil wir einander fremd sind. Aber …

Birgit Leutmann blickt fragend auf, weil er nicht weiter spricht.

Manfred THOMAS. Aber ich glaube, es kommt nicht darauf an, wie lange man schon über das Wetter geredet hat und ob man die ganze Familiengeschichte des anderen auswendig weiß. Das alles steht nur im Wege. Es kommt auf den Augenblick an. Und in diesem Augenblick sind wir einander nicht fremd. Oder?

Birgit LEUTMANN. Nein, ich habe Sie schon vorhin erkannt auf dem Flur. Sie haben völlig Recht: Ich habe keine Veranlassung mich vor Ihnen zu schämen.

Manfred THOMAS. Ich verstehe, was Sie gedrückt. Und deshalb brauchen Sie sich nicht zu schämen.

Birgit LEUTMANN. (leise) Sind Sie auch unglücklich? Sind Sie auch alleine?

Manfred THOMAS. Alleine, wie man nur auf einem Wochenmarkt im Winter alleine sein kann.

Birgit LEUTMANN. Das ist gut gesagt: Alleine auf einem Wochenmarkt im Winter: Viel Lärm, viel Betrieb und lauter Menschen, die wissen was sie wollen und suchen. Sie gehen ohne Zögern durch die Gassen zwischen den Ständen, zu zweit oder auch alleine, gewärmt, die Gesichter den Dingen zu gewandt, die Taschen voller Mittel zum Leben … Und wir gehen zwischen ihnen hindurch und bei jedem Schritt wird es kälter.

Manfred THOMAS. (nimmt den lyrischen Ton auf) Aber wenn die anderen reden, dann dampft ihr Atem in der kalten Luft. Ihre Gesichter glühen und ihre Hände sind warm. Und sie gehen nach Hause.

Birgit LEUTMANN. Aber du bleibst zurück, angefroren an dir selber.

Manfred THOMAS. Ist es das: Sollte man miteinander sprechen und der Atem dampfte voller Leben wie bei allen anderen?

Birgit LEUTMANN. Und was sollte man sprechen? Und mit wem sollte man sprechen?

Manfred THOMAS. Wir sprechen miteinander.

Birgit LEUTMANN. Wir?

Pause, beide verändern ihre Körperhaltung, als wollten sie etwas abschütteln.

Manfred THOMAS. (sachlicher als eben) Finden Sie es nicht auch merkwürdig: In diesem Haus wohnen x Leute und man wechselt nie ein Wort. Durch einen Zufall muss man erst zusammengebracht werden.

Pause

Birgit LEUTMANN. Wer weiß, wie es Herrn Schneider jetzt geht. Ich mach mir Vorwürfe, dass ich mich früher nicht um ihn gekümmert habe.

Manfred THOMAS. Die Menschen gehen ständig immer an einander vorbei.

Pause

Manfred THOMAS . Haben Sie viele Bekannte und Freunde hier in der Stadt?

Birgit LEUTMANN. Ja schon, etliche Leute aus meiner Fakultät und auch noch Freunde, die ich von früher kenne. Und Sie?

Manfred THOMAS. Ach, Leute kenne ich genug, aber das ist alles oberflächlich. Man spielt sich gegenseitig immer nur Theater vor.

Birgit LEUTMANN. Haben Sie denn keine richtigen Freunde?

Manfred THOMAS. Doch, schon, aber in letzter Zeit, ich weiß nicht, wir haben uns eigentlich nicht mehr allzu viel zu sagen.

Pause

Birgit LEUTMANN. Sind Sie eigentlich von hier?

Manfred THOMAS. Nein, ich komme aus Hamburg. Warum?

Birgit LEUTMANN. Auch, nur so. Es interessiert mich.

Manfred THOMAS. (kauert sich zur Katze und streichelt sie) Und was machen Sie so den ganzen Tag (lächelnd) außer studieren und alleine sein?

Birgit LEUTMANN. (gespielt böse) Keinen Spott bitte! (Dann lächelt sie auch) Ich lese, ich schaue den Menschen zu, ich versuche zu leben …

Manfred THOMAS. Haben Sie Erfolg? (Pause) Entschuldigen Sie, das war nicht ironisch gemeint. Es ist eher Galgenhumor.

Birgit LEUTMANN. Und Sie, was machen Sie?

Manfred THOMAS. Studieren – und nebenbei nicht viel Gescheites: Abende totschlagen, eben leben, oder wie man so was nennt.

Birgit LEUTMANN. Und das macht sie nicht glücklich?

Er schweigt betroffen.

Birgit LEUTMANN. (besorgt) Ich denke, vielleicht, vielleicht ist die Welt doch nicht so verbaut, wie ich sie sehe. Vielleicht sehen wir einfach nur alles verkehrt.

Manfred THOMAS. (er schaut auf) Ja, vielleicht gibt es doch etwas, was uns vor der Sinnlosigkeit retten könnte.

Pause

Ob es das gibt?

Birgit LEUTMANN. Und was könnte das sein?

Manfred Thomas sieht sie an. Sie wendet den Blick ab.

Manfred THOMAS. Ich glaube, ich beginne es zu ahnen.

Pause;

Manfred THOMAS. (im lyrischen Ton von eben) Wir haben miteinander zu sprechen begonnen. Wir sind aufgetaut.

Birgit LEUTMANN. Wir sind aufgewacht aus einem Schlaf in den finsteren Gängen unserer leeren Katakombe, wo wir alleine hausen.

Manfred THOMAS. Und es ist hell geworden. Wir sehen einen anderen und er lächelt uns an.

Pause

Wir sprechen miteinander und es tut gut.

Birgit LEUTMANN . Wir schauen einander an und wir wissen plötzlich, wie dumm es war, alleine zu sein.

Manfred THOMAS. In den Augen eines anderen finden wir alles, was uns fehlte. Und wir werden nie mehr frieren.

Schweigen.

Sie sehen sich einige Zeit reglos, wie verzaubert an. Dann richtet sie sich auf und fragt mit nüchterner Stimme, wie erwacht:

Birgit LEUTMANN. Und das also wäre die Lösung?

Manfred THOMAS. Es sieht so aus.

Pause.

Birgit LEUTMANN. (in einem plötzlichen Ausbruch) Ja, es sieht so aus! Ganz hübsch fürs erste, nicht wahr? Aber stoßen Sie nicht daran, schauen Sie nicht dahinter! Die Attrappe könnte umfallen!

Manfred Thomas. (macht ein paar hastige Schritte auf sie zu) Sie glauben nicht an …

Birgit LEUTMANN. (weicht zurück bis ans Fenster und unterbricht ihn) Nein. (zögernd) Glauben Sie denn daran?

Manfred THOMAS . Ich weiß es nicht. Ich habe immer gehofft, dass es so was gibt. Ich habe immer gehofft, dass ich es erleben würde.

Pause

Birgit LEUTMANN. Ja, gehofft habe ich es auch. Aber es ist Selbstbetrug. Es ist ein Trick der Natur. Es ist ein flüchtiger Rausch.

Manfred THOMAS . Wir haben Angst, enttäuscht zu werden.

Birgit LEUTMANN. Von wem enttäuscht?

Manfred THOMAS. Von uns selbst, vom anderen, von der Wirklichkeit?

Pause

Manfred THOMAS. Aber gehofft haben auch Sie, nicht wahr. Sie haben genau wie ich gehofft, dass das Leben käme und sie davon überzeugte, dass es kein Trug ist.

sie schweigt

Manfred THOMAS. (zart) Ist es denn nicht überzeugend?

Pause. Er lehnt sich gegen einen Sessel.

Vor einigen Stunden habe ich noch gedacht, es sei alles ohne Sinn, es sei alles ohne Inhalt. Ich habe geglaubt, dass es kein Verstehen geben kann zwischen den Menschen. Ich habe geglaubt, Liebe sei ausschließlich eine Sache der Hormone. Ich habe geglaubt, dass es nur egoistische Antriebe gibt, eingeschweißt in irgendeine soziale Umgangsform, umhüllt von mir aus mit einer Moral. Und ich wusste nicht, wozu ich leben sollte.

Pause. Sie rührt sich nicht.

Manfred THOMAS. Jetzt plötzlich weiß ich es. Plötzlich ist meine Welt rund. Plötzlich sind meine Hände geöffnet und das Leben lächelt voller Sinn. Und der Sinn steht in Ihren Augen. (Sie macht eine abwehrende Bewegung) Seit ich Sie erkannt habe, ist alles klar. (langsam) Seit ich Sie liebe, ist alles anders. (lächelnd) Ist das wirklich nicht überzeugend genug?

Birgit LEUTMANN. (erregt aber beherrscht) So haben die Menschen schon seit Beginn der Welt gesprochen. Aber die Welt ist nicht einen Schritt weitergekommen durch all diese Liebe. Sie haben alle gesagt, „mein Leben ist verändert“. Sie haben alle aus den Händen des anderen eine gesunde, runde Welt zu empfangen geglaubt. Und dann sind sie hingegangen und haben in ihrer runden, wunderbaren neuen Welt zu leben versucht, voller Pläne und Vorsätze. (Pause; dann kalt und schnell) Aber bald haben sie ihre Zeit damit zugebracht, ihre Liebe mit grauem Alltag zuzuschütten. Sie wachten auf und fanden sich neben einem fremden Menschen alleine: später gestand dann das Leben seinen Betrug ein. So ist es gewesen, seit Beginn der Welt.

Manfred THOMAS. Ich lebe zum ersten Mal. Meine Welt hat gerade angefangen sich zu drehen.

Birgit LEUTMANN. Und was soll das ändern? Die Menschheit lernt nichts dazu. Und wir sind nicht schlauer als die anderen.

Manfred THOMAS. Aber es ist doch so: Jeder Mensch muss im Jahre Null anfangen. Er muss alle diese Erfahrungen selbst machen. Und wer sagt uns, dass es nicht doch gelingen könnte?

Birgit LEUTMANN. Armselige menschliche Hoffnung gegen alle Erfahrung und Einsicht!

Manfred THOMAS. Ja. Aber in dieser Fähigkeit liegt vielleicht die größte menschliche Kraft.

Pause

Birgit LEUTMANN (heftig) Warum wollen Sie mich dazu bringen, Ihnen zu glauben? Warum wollen Sie mich dazu zwingen, mich überzeugen zu lassen von Ihnen, von der Liebe, vom Leben – von mir?

Pause

Ja, es ist schön und es ist grausam: Ich glaube, ich liebe Sie.

Pause

Aber ich werde mich bis zum letzten Augenblick gegen diese Liebe wehren. Ich werde kämpfen, ehe ich mich verloren gebe, ehe ich aufgebe, was ich hatte. Ich  …

Manfred THOMAS. Was hatten Sie denn? Ihre Freiheit? Was hatten Sie denn, was Sie nicht aufgeben möchten?

Birgit LEUTMANN. (schreit verzweifelt auf) Ja: nichts hatte ich, nichts als mich. Ja so ist es. Sehen Sie nur: Ich will mich nicht hergeben. Ich will Ich sein! Und dabei habe ich das alles so gehasst, dieses Ich-Sein. (Sie wendet sich von ihm ab, geht ans Fenster).

Manfred THOMAS. (geht zu ihr, er berührt sie nicht. Sie bleibt stehen, weicht nicht aus). Sie halten sich für egoistisch, nicht wahr? Sie sind es nicht, glauben Sie mir. Sie haben nur Angst. Angst vor der Welt, vor der Enttäuschung, vor dem Moment, in dem alles wieder zusammenbrechen könnte.

Schweigen

Manfred THOMAS. Bitte, …. haben Sie keine Angst ,... bitte ….

Ich möchte Ihnen helfen. Ich möchte Sie davon überzeugen, dass es schön ist und gut, zu leben, davon, dass es die Liebe gibt, dass Menschen sich verstehen können und sich brauchen. Jetzt möchte ich es doch sagen: dass es lohnt zu leben…

Birgit LEUTMANN. (sieht auf und lächelt plötzlich) Vorhin haben sie ganz anders geredet.

Manfred THOMAS. Ich bin ein anderer geworden. Vorhin wagte ich es nicht zu hoffen. Jetzt weiß ich es. Es steht in Ihrem Gesicht geschrieben.

Pause

Birgit LEUTMANN. Sie haben Recht. Auch ich beginne, daran zu glauben.

Pause. Sie wendet sich ihm voll zu.

Aber, was wird nun aus uns beiden? Ich meine, wenn das Leben mich überzeugt haben sollte?

sie sehen sich eine Zeit an

Manfred THOMAS. (ergreift ihre Hände, sie lächelt)  Jetzt werden wir das Leben überzeugen.

Birgit LEUTMANN. Wovon?

Manfred THOMAS. Von der Liebe. Davon dass sie bestehen kann und dass sie allem einen Sinn gibt. Denn wir beide tragen ihn auf den Schultern.

Birgit LEUTMANN. Werden wir ihn tragen können?

Manfred THOMAS. Das kommt darauf an: auf dich und auf mich.

Birgit LEUTMANN. Und was meinst du, werden wir es schaffen?

Manfred Thomas. Wir wollen es versuchen.

Birgit LEUTMANN (lacht) Ja, wir wollen es versuchen mit der Welt und die Welt solle es noch einmal mit uns versuchen!

 

Die  Tür geht auf. Frau Meinert steht im Türrahmen, erschrocken, als sie die anderen sieht.

Frau MEINERT. Ach, Sie sind hier! Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie störe! Ich kam nur … Mir ist eingefallen, dass die Katze ja noch irgendwo hier sein muss. Sie braucht doch ihr Fressen. Und weil ich ja niemanden habe, dacht eich, ich könnte sie zu mir nehmen…..

Manfred Thomas und Birgit Leutmann sehen sich fragend an.

Der Vorhang schneidet alle weiteren Entwicklungen ab.

 

 

 

 

 

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